"Erneuter" Verdacht auf ADS?

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Sonatica
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"Erneuter" Verdacht auf ADS?

Beitrag von Sonatica » 8. Februar 2019 20:44

Hallo ihr Lieben!

Kurz vorab zu mir: Ich bin weiblich, 24 Jahre alt, hatte bis letztes Jahr eigentlich keine Ahnung WAS genau ADS/ASHD denn nun eigentlich ist.

(Ich weiß auch nicht, was ich damit erzielen will, das hier zu schreiben, aber vielleicht sieht ja irgendjemand etwas, was ich nicht sehe. Oder so. Keine Ahnung... Vielleicht will ich's auch einfach nur "los werden". :/ Auf jeden Fall hoffe ich, ich bin nicht an der komplett falschen Stelle für sowas hier ^^; )

Also, das ganze fing so an: Zu Beginn meiner Therapie (bin dort hauptsächlich wegen Depressionen und Sozialangst) wurde ich von einer der leitenden Therapeutinnen des Instituts sozusagen evaluiert. Sie meinte ziemlich schnell, dass es bei mir Sinn machen würde, vielleicht mal auf ADS zu testen. Das hatte mich zu der Zeit ganz schön überrascht und ich fragte mich schon, wie sie darauf käme. Ich ging nach diesem Termin also nach Hause mit der Einstellung "Was soll das denn... Das passt ja garnicht zu mir." Aber wie es nun mal so ist, der Gedanke bleibt dann die ganze Zeit so penetrant im Kopf, dass man dem doch mal nachgehen muss. Ich habe also versucht, mich ein bisschen zu informieren. Ich habe mir angehört, wie es für "Betroffene" denn so ist,was ADS ausmacht. Ich bin auch großer Hörbuch-Fan (allerdings nur, wenn ich unterwegs bin) und habe mir aus Interesse dann "Driven to Distraction" geholt und angehört.

Ich hatte dann, gerade bei den Beispielen von anderen, so ein "AHA"-Erlebnis. "Ach... Das ist also doch nicht normal???" oder "Ich dachte immer, ich bin für sowas einfach zu dumm..." Natürlich war ich mir immernoch unsicher, da ich zu der Zeit noch nicht getestet wurde, aber ich konnte den Verdacht total nachvollziehen und unter anderem auch im Bezug auf die Kindheit/Schulzeit hätte es wirklich einiges erklärt.

Nun. In der Zwischenzeit (also sozusagen während ich mich informierte) bekam ich dann den "Test", ein paar Fragebögen zum selbst ausfüllen (mir wurde explizit gesagt, ich solle nur meine Eltern zu Rate ziehen, wenn ich mich an etwas überhaupt nicht erinnern konnte). Als ich den ausfüllte, war ich mir aber total unsicher. "Hm... ja gut also das fällt mir schon schwer... aber fällt das nicht allen schwer?" Ich hatte das Gefühl, dass ich das selbst so schwer festlegen konnte, weil ich kannte das alles ja nur so und war mir nun plötzlich unsicher, was "normal" ist und was nicht mehr. Irgendwie füllte ich das Zeug also aus und gab es ab.
Die Rückmeldung: Sie können sich beruhigen, Sie scheinen zwar starke Problematik im Bereich Aufmerksamkeit und Konzentration zu haben, aber Hyperaktivität ist bei Ihnen eher nicht der Fall. Wir sehen keinen Grund, warum Sie eine ADHS-Diagnose haben sollten. (So in etwa, den genauen Wortlaut weiß ich nicht mehr)

Und ich muss zugeben, dass ich davon irgendwie enttäuscht war. Man freut sich halt doch, wenn man denkt, dass man für so viele Dinge eine Erklärung gefunden hat, und sich das als falsch rausstellt.
Ich sagte ihm das dann auch, man soll ja ehrlich zu seinen Therapeuten sein, und er erklärte mir, dass die Symptome eben auch von der Depression kommen könnten. Ich fragte mich, warum ich die Symptomatik dann schon als Kind hatte, aber wollte dann auch nicht weiter auf dem Thema rumreiten, immerhin ist er der Experte und nicht ich. Die Therapie ging also weiter, mit dem Fokus auf der Depression und der Angst.

Seither verging jetzt fast ein Jahr, zwischenzeitlich kam ich noch in psychiatrische Behandlung. Mein Psychiater verschrieb mir erst Sertralin (vorher hatte ich Venlaflaxin und hatte heftigste Nebenwirkungen davon), davon bekam ich zwar leichtere Nebenwirkungen aber von einer psychischen Verbesserung war nichts zu sehen. Nun nehme ich seit ein paar Monaten Elontril und bemerke endlich eine Verbesserung. Etwas stabilere Stimmung, nicht mehr so schnell gereizt, etc.
Als mich mein Psychiater befragte, wie gut ich das Medikament vertrage, sprach er vorsichtig an, dass er vermutet, meine Problematik könne an ADS liegen und ob ich denn schon mal daran gedacht hätte. Ich erzählte ihm also davon, wie der Verdacht am Anfang der Therapie aufkam und wie es getestet wurde und dass davon ausgegangen wird, ich habe kein ADS. Er schien ein wenig skeptisch und meinte, es könnte Sinn machen da trotzdem nochmal genauer nachzusehen. Er leitete mich weiter an eine Psychologin mit Erfahrung in dem Bereich.Ich kam mir etwas komisch vor, als würde ich meinen Therapeuten "hintergehen", aber meldete mich trotzdem bei ihr. Die sagte widerum zu mir, den Test müsste eigentlich das Institut machen, wo ich auch therapiert werde und dass ich da anfragen soll, wenn der Verdacht besteht. Aber da wurde ich ja auch getestet. Nun weiß ich garnicht mehr, was eigentlich noch "abgeht" :-| . Bei meinem Therapeut habe ich ein wenig Angst, das Thema nochmal anzusprechen, weil es ja eigentlich schon abgeschlossen ist. Werde bei meinem nächsten Psychiatertermin nochmal drauf zu sprechen kommen, dass mich das ganze nun ziemlich verwirrt.

Was würdet ihr sagen?
Ist doch ein klarer Fall, wurde getestet, wurde verneint, fertig?
Oder kann es sein, dass da eben doch nochmal genauer hingeschaut werden sollte? Kann das überhaupt passieren, dass man trotz Testung falsch diagnostiziert wird?

Ich weiß langsam nicht mehr, was ich dazu noch denken soll. :roll:
Und, an alle, die sich den ganzen Text angetan haben: Hey, Danke! Und sorry, dass ich so umständlich schreibe
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Daydreamer
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Re: "Erneuter" Verdacht auf ADS?

Beitrag von Daydreamer » 8. Februar 2019 21:51

Hallo Sonatica,

zunächst einmal herzlich Willkommen bei uns! Vielleicht beschreibst du mal ein bisschen genauer, was dir Schwierigkeiten macht? Also was die Therapeuten sagen, was mit der Depression zusammenhängen könnte?

Ich für meinen Teil glaube, dass es nach wie vor Ärzte gibt, die meinen, AD(H)S ohne Hyperaktivität existiere nicht - das ist aber definitiv falsch!! Ich selbst habe meine Diagnose mit 26 bekommen (also vor 1.5 Jahren ungefähr). Ich habe keine Hyperaktivität, aber ich habe ausgeprägtes AD(H)S. Ohne Medikamente kann ich nicht das leisten, was in mir steckt.

Was ich damit sagen will: ich würde es nicht direkt ausschließen. Habe ich das richtig verstanden, dass das Institut "nur" die Fragebögen gemacht hat? Das ist nämlich für eine umfassende Diagnostik nicht ausreichend. Die Testung beinhaltet neben den Fragebögen nämlich auch noch diverse Konzentrations- und Aufmerksamkeitstests (bei mir dauerte das 3h ungefähr).

Natürlich könnte es sein, dass es von der Depression kommt bei dir - aber wenn du sagst, du hattest die Problematik schon als Kind, würde ich da schon mal genauer nachhaken - und das hätte auch der Therapeut meiner Meinung nach tun sollen. Ich denke, wenn die Probleme bei dir weiterhin bestehen würde ich schon nochmal eine ausführliche Diagnostik anstreben.

Lg, Daydreamer

P.S. ich finde du schreibst überhaupt nicht umständlich - alles gut :)
Das Leben ist ein Spiel. Wir spielen es nur mit höherer Schwierigkeitsstufe ;)
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Re: "Erneuter" Verdacht auf ADS?

Beitrag von ULBRE » 8. Februar 2019 22:13

Sonatica hat geschrieben:
8. Februar 2019 20:44
Die Rückmeldung: Sie können sich beruhigen, Sie scheinen zwar starke Problematik im Bereich Aufmerksamkeit und Konzentration zu haben, aber Hyperaktivität ist bei Ihnen eher nicht der Fall. Wir sehen keinen Grund, warum Sie eine ADHS-Diagnose haben sollten. (So in etwa, den genauen Wortlaut weiß ich nicht mehr)
Was für ein unfassbarer Unsinn !
Ärzte, die ADS (ohne Hyperaktivität) als Subtyp von AD(H)S nicht kennen, sollte man (wenn es wirklich vorliegt) wegen unterlassener Hilfeleistung und Körperverletzung angehen - denn da ist es dann. Eine Meldung bei der Kassenärztlichen Vereinigung wegen krasser Fehldiagnose bringt die Leute meist auf Achtung - damit schützt man wenigstens die nächsten vor dem selben Fehler.

In meiner Wissenssammlung habe ich einen Online-Selbsttest gebastelt, den kannst Du mal probieren, wenn Du magst. Findest Du unter www.adxs.org

Sertralin ist eine Antidepressivum. 1/3 aller therapieresistenten Depressionen sind ein unentdecktes AD(H)S.

Viele Grüsse

UlBre
„Wenn ein unordentlicher Schreibtisch einen unordentlichen Geist repräsentiert, was bedeutet dann ein leerer Schreibtisch ?“ Albert Einstein
Ich hab einen eher wissensorientierten Schreibstil. Als eine Stimme im Chor find ich das ganz ok. Mehr soll das auch nicht sein.
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Re: "Erneuter" Verdacht auf ADS?

Beitrag von Falschparker » 8. Februar 2019 23:02

Hallo Sonatica,

herzlich willkommen.

Nein, du wurdest nicht getestet!! Du hast einen (oder mehrere) Fragebögen ausgefüllt. Das kann Hinweise geben, aber letztendlich kann man nur durch Fragebögen ADHS weder bestätigen noch ausschließen! Da gehört schon mehr zu.

Einen Grund hast du genannt. Wie ungewöhnlich deine Symptomatik ist, kannst du selbst nur beschränkt beurteilen, weil du für dich normal bist.

Dazu kommt jetzt: Die Fragebogenauswerter haben von ADHS offensichtlich zu wenig Ahnung, wie die Daydreamerin und Ulbre auch schon schreiben. Es gibt auch ADHS ohne H, das ist bei Frauen sogar die häufigere Variante. Und Hyperaktivität ist meist ja auch nicht das Störendste an ADHS, sondern nur das nach außen auffälligste. Deshalb haben die Zappel-Jungs das "Glück", im Durchschnitt viel schneller diagnostiziert zu werden und dann eben auch Hilfe zu erhalten als die Träumer-Mädchen.

Hallowell und Ratey hast du ja schon gelesen/gehört, ich verlinke hier mal den aufschlussreichen Text von Martin Winkler über AD(H)S bei Mädchen und Frauen und warum diese schwerer und später ihre Diagnose erhalten:
https://sites.google.com/site/drmartinw ... sbeifrauen

Und wenn du englischsprachige Hörbücher magst, such mal nach Sari Solden, Women with Attention Deficit Disorder.
Die Rückmeldung: Sie können sich beruhigen

(...)

Und ich muss zugeben, dass ich davon irgendwie enttäuscht war.
Ja sicher. Beruhigen hättest du dich können, wenn du die dazugehörigen Probleme nicht hättest. Die Erklärung wäre ja nichts Schlimmes gewesen, sondern im Gegenteil ein Schlüssel zur effektiven Behandlung.

Viele Grüße und alles Gute
Falschparker
Sonatica
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Re: "Erneuter" Verdacht auf ADS?

Beitrag von Sonatica » 9. Februar 2019 17:22

Hey,

Danke an euch, dass ihr euch die Zeit genommen habt, mir zu antworten! :)
Ich hatte mich bei dem "Test" schon gewundert ob das nicht zu wenig ist, aber hatte eben doch die Angst, dass ich das Ergebnis nur nicht anerkennen MÖCHTE weil ich unzufrieden damit war.
Übrigens kam es für mich nicht so rüber, dass das Institut nichts von AD(H)S ohne Hyperaktivität wisse, ich erinnere mich nur daran, dass er das mit der nicht vorhandenen Hyperaktivität noch dazu gesagt hatte. Vielleicht hätte ich das anders formulieren sollen.

Daydreamer hat geschrieben:
8. Februar 2019 21:51
Was ich damit sagen will: ich würde es nicht direkt ausschließen. Habe ich das richtig verstanden, dass das Institut "nur" die Fragebögen gemacht hat? Das ist nämlich für eine umfassende Diagnostik nicht ausreichend. Die Testung beinhaltet neben den Fragebögen nämlich auch noch diverse Konzentrations- und Aufmerksamkeitstests (bei mir dauerte das 3h ungefähr).
Ich hatte die Fragebögen und sollte Kopien meiner Grundschulzeugnisse mitbringen, die ich aber nicht mehr finden konnte (ich werde mir nächste Woche Kopien davon beantragen müssen) und darum die Zeugnisse meiner 5ten und 6ten Klasse mitgebracht hatte. Das hatte ich total vergessen dazu zu sagen. Konzentrations- und Aufmerksamkeitstests gab es keine.
ULBRE hat geschrieben:
8. Februar 2019 22:13
In meiner Wissenssammlung habe ich einen Online-Selbsttest gebastelt, den kannst Du mal probieren, wenn Du magst. Findest Du unter www.adxs.org
Den Test habe ich gestern noch aus Interesse gemacht, weil ich davon in einem anderen Beitrag gelesen hatte. Deine Wissenssammlung ist übrigens eine tolle Resource :) Ich werde mal versuchen mich da ein bisschen einzulesen.
Laut dem Test gibt es Hinweise auf 27 von 35 möglichen Symptomen und 68% der Fragen habe ich wohl AD(H)S-typisch beantwortet. Klar muss das nichts heißen, ist aber für mich vielleicht auch ein guter Anhaltspunkt, den Mut zu finden das Thema nochmal anzusprechen, danke dir!

ULBRE hat geschrieben:
8. Februar 2019 22:13
Sertralin ist eine Antidepressivum. 1/3 aller therapieresistenten Depressionen sind ein unentdecktes AD(H)S.
Das wusste ich tatsächlich nicht, ist ja interessant!

Falschparker hat geschrieben:
8. Februar 2019 23:02
Hallowell und Ratey hast du ja schon gelesen/gehört, ich verlinke hier mal den aufschlussreichen Text von Martin Winkler über AD(H)S bei Mädchen und Frauen und warum diese schwerer und später ihre Diagnose erhalten:
https://sites.google.com/site/drmartinw ... sbeifrauen

Und wenn du englischsprachige Hörbücher magst, such mal nach Sari Solden, Women with Attention Deficit Disorder.
Den Text werde ich mir gleich mal anschauen, das Hörbuch habe ich tatsächlich auch schon angehört. :) Danke dir! Ich bin immer froh über neue Vorschläge in der Richtung.

Liebe Grüße und nochmals Danke,

Sonatica :)
Sonatica
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Re: "Erneuter" Verdacht auf ADS?

Beitrag von Sonatica » 9. Februar 2019 17:44

Daydreamer hat geschrieben:
8. Februar 2019 21:51
Vielleicht beschreibst du mal ein bisschen genauer, was dir Schwierigkeiten macht? Also was die Therapeuten sagen, was mit der Depression zusammenhängen könnte?
Ich dachte darauf antworte ich mal seperat, weil ich bei sowas Schwierigkeiten habe, mich kurz zu fassen und ich niemanden mit so noch mehr Text in einem Beitrag erschlagen wollte :lol: :roll:

Also depressionstechnisch habe ich so die klassischen Probleme mit starker Antriebslosigkeit, Schwierigkeiten, an Dingen Freude zu finden, blicke sehr aussichtslos in die Zukunft, sehe Dinge sehr negativ, falle stimmungsmäßig immer wieder in ein "Loch", da ist dann alles noch schlechter und ich sehe keinen Ausweg mehr, (Letzteres ist das, wo ich langsam einen Unterschied mit der derzeitigen Medikation bemerke) etc.

Und bei Depressionen können natürlich auch Symptome wie Vergesslichkeit, Konzentrationsprobleme, etc. auftreten.
Ich habe damals, als der Verdacht auf AD(H)S aufkam, immer wieder etwas auf Listen geschrieben, was damit zu tun haben könnte, ich hoffe ich kanns halbwegs zusammenfassen und vielleicht ordnen (wie gesagt, nicht so meine Stärke).

> Vergesslichkeit
Ständig vergesse ich Termine (wirklich wichtige Termine), verlege Dinge (jeden Tag suche ich bestimmt 5+ mal mein Handy oder meinen Schlüssel), vergesse Dinge die mir grade erst gesagt wurden (Namen, Anweisungen, etc) oder Dinge die ich grade eben noch machen wollte (sage vor der Tür noch "Ich bring den Müll jetzt raus" und gehe dann ohne den Müll aus dem Haus :roll: )
oder eben die Klassiker: "Warum bin ich nochmal ins Wohnzimmer gegangen?" , "Habe ich den Hund schon gefüttert/meine Tabletten genommen/etc?" oder "Was? Du hast Geburtstag!?"
Das ganze auch schon seit der Kindheit, bin früher wohl regelmäßig versehentlich ohne Schulranzen/Sporttasche/Jacke/Federmäppchen etc in die Schule gegangen oder nach Hause gekommen. Als ich meine Mittlere Reife gemacht habe, hab ich mal eine komplette Präsentation, die als Prüfung zählte(!) vergessen. Also ganz vergessen, hatte nicht mal ein Thema...

> Kann selten (im Kopf und sprichwörtlich) an einer Sache bleiben
Ständig fange ich Dinge an und mache sie nicht fertig, weil ich zB. das Gefühl habe, es lohnt sich nicht oder ich habe mittlerweile an etwas anderem Interesse gefunden oder mir ist etwas anderes eingefallen, was ich tun will oder muss oder soll oder was auch immer. Oft kann ich mich im Nachhinein nicht mal genau daran erinnern, was ich alles gemacht/gedacht habe. Auch sowas wie Serien oder Filme schauen finde ich, grade wenn ich alleine bin, schnell langweilig und mache was anderes, auch wenn ich die Geschichte spannend finde. Ich habe auch das Gefühl, dass ich keine richtigen Hobbies habe, weil ich ständig was neues anfange und probieren möchte.

Es gibt aber eben auch Dinge, die mich dann total fesseln. Und da geht es dann irgendwie wieder. (Bsp: Spiele, manchmal aber selten Bücher, irgendwas, wenn mich etwas sehr beschäftigt oder interessiert dazu recherchieren, im Kindesalter auch Fernsehen, etc.). Da werde ich auch echt wütend, wenn ich dann unterbrochen werde.

Als Kind, laut meiner Mutter, war ich da wohl auch ein Spezi. Hausaufgaben/Lernen waren eine Qual. Meiner Mutter waren meine Schulnoten wichtig, deshalb setzte sie sich jeden Tag mit mir an den Tisch. Den ganzen Tag. Ich saß oft bis in die Abendstunden noch da. Als ich herausfand, dass andere Kinder für ihre Hausaufgaben vielleicht eine halbe Stunde brauchten, war ich geschockt. Als ich mich dann übrigens selbst ums Lernen/Hausaufgaben machen kümmern musste, hab ich dann garnichts mehr gemacht. Aber gut, das war ja bei vielen in dem Alter so. In der Schule ging es auch bei manchen Themen/Lehrern, bei anderen weniger. Bin aber (außer in der Grundschule) da selten durch Unaufmerksamkeit schlecht aufgefallen. Nur durch die vergessenen Hausaufgaben/Präsentationen/etc... :roll:

> Ordnung/Organisation sind meist nicht vorhanden
Ich gebe zu, das schwankt manchmal. Ordnung halten konnte ich noch nie besonders gut, egal ob im Schulordner, Schulranzen, Handtasche, Zimmer, Wohnung, Computer, Dokumente, Tagesablauf/Routine. Ich habe aber den Wunsch, das zu ändern und alle paar Monate bin ich dann plötzlich ganz motiviert und habe ein neues Organisations-System gefunden und mache mir einen Wochenplaner und kaufe mir irgendwelche Labels und was weiß ich alles. Dann ist es eine Weile manchmal sogar ganz ordentlich und ich kann es zum Teil sogar ein paar Wochen ganz gut durchziehen, aber dann schleicht sich irgendwie doch die Unordnung wieder rein und ich falle ins alte Muster zurück. Das klingt vielleicht nach was kleinem, aber ich empfinde es schon als Belastung.
Wenn es ums Organisieren von irgendwelchen Gruppen, Aufgaben oder Treffen mit Freunden geht, überlasse ich es fast immer anderen, weil ich bei sowas einfach keinen Überblick behalten kann.


Und dann kommen noch Dinge dazu wie
sehr schlechtes Zeitmanagement/kein gutes Zeitgefühl (komme seit ich denken kann ständig zu spät),
mache bei der Arbeit/damals in der Schule ständig und überall Flüchtigkeitsfehler,
kann mir keinen Überblick verschaffen/schlecht priorisieren (zB. beim Aufräumen, stehe dann ewig lang einfach nur da)
und natürlich die klassische Aufschieberitis. Ob bewusst oder unbewusst, passiert mir beides..

Also das sind jetzt mal so die Sachen, die mir noch einfallen ^^; Musste mich zurückhalten, nicht zu allem mindestens 10 Beispiele zu nennen :lol:
Vielleicht kommt es mir mittlerweile schlimmer vor, als es ist, das kann natürlich sein, weil ich natürlich auch nach genau solchen Problemen geschaut habe. Und manches davon hat vielleicht auch mit was ganz anderem zu tun. Aber man es eben bei sich selbst immer so schwer beurteilen :)

Liebe Grüße,

Sonatica
Anders
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Re: "Erneuter" Verdacht auf ADS?

Beitrag von Anders » 10. Februar 2019 23:55

Hallo Sonatica,

Was du da so schreibst klingt für mich schon sehr danach das du hier her gehörst.. ;) du solltest dir jemanden suchen der sich mit dem Thema wirklich auskennt, insbesondere über Adhs bei Frauen!
Ich habe mich an diesen Fragebögen auch immer 'aufgehängt'.. wie ist das jetzt gemeint, worauf zielt die Frage ab, usw und je länger man sich darüber Gedanken macht um so schwerer fällt einem die Antwort, weil man sich selbst schwer einschätzen kann und Situationsabhängig manche Sachen ja auch gut hinbekommt, die einem ansonsten nicht gelingen wollen! Da können Menschen die dir nahe stehen und dich wirklich kennen eine gute Informationsquelle/Hilfestellung sein, und dem Diagnosesteller dabei helfen das Bild 'rund' zu machen! Das geht nicht alleine durch Fragebögen und auch nicht innerhalb von einem Termin.. wenn du nicht genau weißt, wo in deiner Umgebung eine vernünftige Diagnose gestellt werden könnte, starte vielleicht hier im Forum eine Anfrage!? Lass dich auf jeden Fall nicht von dem letzten Test verunsichern.. Nach einer richtigen Diagnostik hat sich das nicht wirklich angehört, und ich würde da auch nicht wieder hin gehen!
Ich wünsche dir viel Erfolg auf dem Weg :D

Liebe Grüsse

Andreas
ULBRE
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Re: "Erneuter" Verdacht auf ADS?

Beitrag von ULBRE » 11. Februar 2019 22:08

Sonatica hat geschrieben:
9. Februar 2019 17:22
Laut dem Test gibt es Hinweise auf 27 von 35 möglichen Symptomen und 68% der Fragen habe ich wohl AD(H)S-typisch beantwortet. Klar muss das nichts heißen, ist aber für mich vielleicht auch ein guter Anhaltspunkt, den Mut zu finden das Thema nochmal anzusprechen, danke dir!

Hey,

das liegt knapp über dem Durchschnittswert, den ärztlich diagnostizierte AD(H)S-Betroffene erreichen (26).
Nach ihrer eigenen Einschätzung nicht betroffene Probanden haben dagegen lediglich um die 8 Symptome häufig.
Der Test hat derzeit um die 6 % False-negative und 6 % False-Positive.

Ganz klar: der Test gibt trotzdem nur einen Hinweis und ist keine Diagnose.

Viele Grüsse

UlBre
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Re: "Erneuter" Verdacht auf ADS?

Beitrag von Murmel » 12. Februar 2019 10:08

Erst einmal Hallo und herzlich Willkommen.

Ich denke du solltest dich einfach mal der Diagnostik stellen, am Besten in einer ADHS-Ambulanz.

LG Murmel
Stefan SRO
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Re: "Erneuter" Verdacht auf ADS?

Beitrag von Stefan SRO » 12. Februar 2019 14:48

Willkommen in der Runde.

Aus deiner Beschreibung meine ich deutlich ein ADS zu erkennen. (bin "nur" betroffen, aber kein Arzt)

Eine Form die eben nicht durch hyperkinetisches Verhalten auffallen kann.
Eine Form die häufiger als bei ADHS durch Komorbiditäten einen mortalen Verlauf hat. (Robin Williams, usw.)

Das klingt erst mal reißerisch.
Wenn ich aber auf unsere sehr stark von der nicht hyperaktiven Variante betroffene Familie, mit bisher zwei Suiziden schaue, sollte man die still Leidenden nicht ignorieren.

Du darfst also die Weißkittel nach Herzenslust nerven, bis Du Hilfe bekommst;)
"Mein Hirn kann nicht still sitzen..."
-
Was heute noch logisch und klar erscheint, ist morgen schon undurchsichtig rätselhaft.
-
-Mal Einstein und mal taube Nuß.-
-Was man nicht all´s ertragen muß.-
Sonatica
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Re: "Erneuter" Verdacht auf ADS?

Beitrag von Sonatica » 3. März 2019 13:10

Hey,

Ich möchte mich bei euch sehr bedanken. :) Manchmal braucht man einfach noch mal ein paar "außenstehende Stimmen", also zumindest ich brauche das bei solchen Situationen ;) :D
Ich habe es jetzt geschafft, auch meinen Therapeuten noch mal darauf anzusprechen und er war sehr verständnisvoll und hat mir einige Dinge bezüglich der ersten "Auswertung" erklärt, so dass ich es nun auch besser nachvollziehen kann. Weitere Schritte sind schon eingeleitet. :) Nun muss ich nurnoch auf meine Grundschulzeugnisse warten... :roll:
Aber ich freue mich schon, endlich etwas Klarheit in die Sache zu bringen, egal was nun rauskommt :)
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