MPH und Narkose bzw. paradoxe Wirkungen

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Maya18Max
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MPH und Narkose bzw. paradoxe Wirkungen

Beitrag von Maya18Max » 5. Oktober 2016 09:25

Hallo zusammen,

beim stöbern, bin ich auf folgende Diskussion gestroßen:

viewtopic.php?f=65&t=51284&p=621273&hil ... en#p621273

Ergänzend, und deshalb auch in einem neuen Beitrag, möchte ich auf folgendes Hinweisen:

Es ist wichtig !!!, dass der Narkosearzt von der Einnahme des MPH Kenntnis hat. Und laut Elterntraining bei Frau Neuhaus ist es auch wichtig die normale Einnahme von MPH zu tätigen. Dies kann mein Mann selbst auch bestätigen, da er oft solche "Phänomene" in seinem Arbeitsalltag erlebt.

Paradoxe Wirkung - eine Selbsterfahrung

Meine Gallenblase musste operativ entfernt werden. Am Tag der OP "befahl" ich meinem Mann, mir ab dem Morgengrauen beizustehen. Es war natürlich nicht sicher, wie sich das OP Programm gestalten würde. Fest stand nur, irgendwann war ich an der Reihe. Ich hasste Krankhaus! Ich hatte Panik, am besten wäre es gewesen, man hätte mich sofort in Narkose gelegt (wobei genau das mich so panisch machte). Ich hatte dies so auch mit den Ärzten kommuniziert. Doch aus "Insider"-Erfahrungen wusste ich, dass die zwar die tollen "Leck-Mich-Am-Arsch"-Tabletten ausgeben, aber leider erst, wenn man auf den Weg in den OP ist. Und bis die dann wirken... No Way!

Meinem "Insiderwissen" war ich sehr dankbar, denn somit konnte ich mich vorsorglich mit besagten "Pillen" eindecken. Nach einiger Warterei verleibte ich mir eine ein. Nach einer halben Stunde hoffte ich, dass die Aufregung besser wird. Nein natürlich nicht... Nach 45 Minuten hatte ich die 2. Tablette intus. Aber auch hier wartete ich vergeblich auf eine Wirkung. Ich war am Durchdrehen! Eine weitere Stunde später kam dann die Stationsschwester und kündigte an, dass es los gehen würde. Die 3. Tablette erhielt ich, wie befürchtet auf dem Weg in den OP. Dort angekommen, hat man nun endlich meine Panik ernst genommen. Mit einem Puls von über 140 befahl der Arzt dem Pflegepersonal mich endlich "einzuschläfern".

Ich hatte Glück... Meine Narkose war super. Keine blöden Aufwachsituationen oder ähnliches. Denke mal, der Arzt hat anhand dieser vorherigen Panik schon automatisch "die richtige" Narkoseart gewählt. Wiederum die Schmerzmittel (Opiate) nach der Narkose habe ich überhaupt nicht vertragen. Ich k*** wie ein Reiher und es war lange kein Ende der Übelkeit in Sicht.

Weitere Paradoxe Wirkungen können nicht nur Beruhigungsmittel oder Narkosen haben. Auch Kaffee, Cola oder pflanzliche Dinge wie Baldrian oder Johanneskraut können das Gegenteil bewirken.

Wird bei uns wieder eine OP im Raum stehen, würden wir den (Narkose-)Arzt sehr genau über AD(H)S und dessen paradoxe Wirkung aufklären. Wichtig ist auch die eventuelle Dosis Methylphenidat einzunehmen, um eine bessere Wirkung der Narkotika zu gewähren bzw. einer womöglich unpassenden Aufwachsituation aus der Narkose aus dem Weg zu gehen. Gerade bei Kindern ist dies nicht ungewöhnlich.
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Eule
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Re: MPH und Narkose bzw. paradoxe Wirkungen

Beitrag von Eule » 6. Oktober 2016 08:55

Da ich ja kürzlich für eine Darmspiegelung eine "Schlafspritze" bekommen habe, und dafür sehr früh aufstehen,nochmals Abführmittel nehmen und schließlich mich hinbringen lassen musste, hatte ich das Thema angesprochen, ob nun MPH einnehmen oder nicht einnehmen sinnvoll sei.

Mein ADHS-doc meinte ich solle das auf jeden Fall mit dem Gastroenterologen besprechen, der (wohl auch wegen der überwiegend älteren Patienten) ohnehin im Vorgespräch nach Medikamenten für Herz/ Kreislauf sowie solchen die Einfluß auf den Blutdruck haben können fragte,woraufhin ich natürlich brav das Ritalin angegeben habe. Da in der Packungsbeilage ausdrücklich drin steht man sollte es vor einer OP nicht nehmen weil es dann in Kombi mit dem Narkosemittel zu plötzlichen Anstieg des Blutdrucks kommen kann, habe ich auch nachgefragt was ich denn nun machen solle, und auch deutlich darauf hingewiesen dass ich den für mich völlig ungewöhnlichen Ablauf des Morgens ohne Wirkung von MPH wohl kaum auf die reihe kriegen würde. Da durch das Abführmittel sowieso nicht zu erwarten War dass beim Ritalin adult auch die verzögerte Freisetzung noch funktionieren würde, habe ich dann an diesem Morgen unretardiertes MPH genommen, das zum einen bei mir nach etwa 20 Minuten beginnt zu wirken, zum anderen War damit klar dass die Wirkung zum Zeitpunkt der Untersuchung schon fast auslaufen würde. Es hat alles gut geklappt, ich habe es geschafft nicht wegen akuter Verpeiltheit verbotenerweise Kaffee zu trinken und War rechtzeitig wach für das doofe Abführmittel, und ausser dass ich danach etwas langsam und verkatert wie nach einer Party mit etwas zuviel Alkohol War,und noch empfindlicher als normal auf das ziemlich heiße Wetter am dem tag reagierte , gab es auch keine Probleme.

Paradoxe Reaktion auf Baldrian. ... kenne ich nur zu gut. Ich drehe davon auf wie nix gutes,wie meine Mutter feststellen musste als ich als 10 oder 11jährige völlig fix und fertig mich nach der Gabe von einer kleinen Dosis Baldriantropfen immer weiter und heftiger in das weinen um unsere am Nachmittag vor unserem Haus überfahrene Katze reinsteigerte. Sie hat nie wieder versucht mir dieses Zeug zu geben :mrgreen: und ich hab es auch auf der schwarzen Liste seitdem. Außer in Form von Knuffelkissen für meine Katze kommt mir dieses Zeug sicher nicht ins Haus.

Beim Johanniskraut ist die paradoxe Reaktion eher indirekt. Ich reagiere schon auf geringe Mengen wie in den frei verkäuflichen Präparaten die als nicht ausreichend therapeutisch wirksam gelten mit so heftiger Fotosensitivität dass ich mir Ende März einen Sonnenbrand an Händen und Gesicht eingehandelt habe. ... Ziemlich kontraproduktiv wenn ein Antidepressivum dem Benutzer das ansonsten hervorragend wirkende Natur-Antidepressivum "aufraffen -rausgehen-bewegen" verunmöglicht.

Grundsätzlich habe ich inzwischen schon mehrfach den Hinweis von ADHS Fachleuten gelesen/gehört, dass ADHSler häufig paradox auf Medikamente reagieren oder außergewöhnliche Dosierungen brauchen, sowohl nach oben als auch nach unten. Da ist gut beobachten und ggf auch aufschreiben auf was man wie reagiert hat wichtig.
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Maya18Max
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Re: MPH und Narkose bzw. paradoxe Wirkungen

Beitrag von Maya18Max » 6. Oktober 2016 20:07

Eule hat geschrieben:Grundsätzlich habe ich inzwischen schon mehrfach den Hinweis von ADHS Fachleuten gelesen/gehört, dass ADHSler häufig paradox auf Medikamente reagieren oder außergewöhnliche Dosierungen brauchen, sowohl nach oben als auch nach unten. Da ist gut beobachten und ggf auch aufschreiben auf was man wie reagiert hat wichtig.
Allerdings. Das muss man aber erst mal wissen. Ich habe den Eindruck dass zu wenig aufgeklärt wird. Wären wir nicht bei der “Fachfrau“ und hätten dort auch das Elterntraining gemacht, wäre vieles echt noch nicht durchgedrungen.
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Re: MPH und Narkose bzw. paradoxe Wirkungen

Beitrag von laetitia » 6. Oktober 2016 20:38

Also vor genau sechs Jahren, da hatte ich noch keine Diagnose, liess ich mein Auge operieren. Da gab es eine Infusion durch die das Narkosemittel floss und der Narkosearzt war da, um das genauestens zu dosieren. Bin da nie aufgewacht oder so, erst als die OP fertig war und er die Maschine abstellte. Ich bin auch gleich weggetaucht, kaum stellte er das Ding an. Nach der OP ging es mir noch den ganzen Tag sehr gut emotional. Mein Bekannter meinte, mein nicht verbundenes Auge wäre wie das eines Junkies.

Als Kind musste ich die Mandeln operieren und sogenannte Röhrchen in die Ohren legen lassen (1mal mit der Mandel-OP, ein zweites Mal vier Jahre später). Da bekam ich die Narkose mit der Maske und kann mich nicht erinnern, aufgewacht zu sein. Aber da war ich eh nach der Narkose ganz balla...noch bis am nächsten Tag.

Bei der Darmspiegelung, die ich vor etwa 15 Jahren hatte, setzten sie eine Nadel um ev. eine weitere Dosis zu spritzen...was dann auch gemacht wurde. Bin dann auch erst im Aufwachraum aufgewacht. War danach auch noch etwas halblebend.

Baldrian finde ich schrecklich. Das lähmt zwar meinen Körper, aber mein Kopf wird davon nicht müde...was eine ziemlich üble Kombi ist.

Auch Säureblocker für den Magen haben eine ähnliche Wirkung. Da werde ich ganz müde äusserlich, so dass ich mich nur noch hinlegen will, aber wenn ich mich hinlege, weiss ich kaum, wie liegen und bin so unruhig innerlich, dass ich aufstehen will und produktiv sein.

Wenn ich in der Apotheke jeweils NeoCitran hole, wenn ich eine Grippe habe oder stark erkältet bin, werde ich jedes Mal darauf hingewiesen, dass das müde mache und ich daher schauen soll, dass ich die Möglichkeit habe zu schlafen, wenn ich das nehme...das erste Mal als ich darauf hingewiesen wurde, war ich ziemlich verblüfft, weil ich noch nie bemerkt habe, dass ich davon müde geworden wäre. Im Gegenteil, es hat mir meistens geholfen, doch noch zur Arbeit zu gehen und den Tag gut zu überstehen...

Als ich mal meinen Arm gebrochen hatte, bekam ich Ponstan...wovon ich keine Wirkung ausmachen konnte. Habs dann verschenkt. Wenn ich Ibuprofenum nehme, muss ich meistens mindestens 400mg nehmen (zwei mal 200mg).

Glücklicherweise brauche ich selten solche Medis :mrgreen:

Aber ja, kann man abnorme Wirkungen wirklich mit ADHS in Verbindung bringen?
Eule
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Re: MPH und Narkose bzw. paradoxe Wirkungen

Beitrag von Eule » 6. Oktober 2016 21:50

Bei mir waren örtliche Betäubungen beim Zahnarzt regelmäßig eine Überraschung - vor allem für den Zahnarzt. Ich kannte es nicht anders als dass regelmäßig drauflos hantiert wurde und ich das immer noch merkte, aber dafür hinterher noch Stunden später nicht fähig war unfallfrei Wasser aus dem Glas zu trinken weil die Lippe noch betäubt war. Jahre vor der ADHS-Diagnose meinte mal einer, das könne doch gar nicht mehr weh tun, ich hätte doch schon eine Dosis mit der man kleine Elefanten schlafen legen könnte bekommen. Meistens war dann hinterher die Lippe und das sonstige Umfeld des behandelten Zahns noch für eine halbe Ewigkeit taub, und ich hatte regelmäßig Diskussionen mit Zahnärzten darüber eine Krankmeldung für den kompletten Rest des Tages zu bekommen, weil denen nicht begreiflich zu machen war dass ich so weder fähig war ausreichend deutlich am Telefon zu sprechen (was in den kaufmännischen Jobs zwingend dazugehörte), und selbst in den gewerblichen Jobs mit Fahrtätigkeiten hatte ich da öfter als mir lieb war Argumentationsschwierigkeiten und keine Alternative als beim zahnarzt raus und beim Hausarzt rein zu gehen um eine Krankmeldung zu bekommen - die gabs vom zahnarzt nur für die ganz großen Sachen wie Weisheitszähne ziehen, aber nicht nach 2 Stunden Folter wegen Ausbohrens eines zahns für eine Wurzelfülluing, wo ich sowohl von den Bohrgeräuschen als auch von der erst gar nicht, und dann noch ewig nachwirkenden Betäubung fix und alle raus kam.

@laetitia

guck mal hier: http://www.aerzteblatt.de/archiv/100940

Einerseits zwar nicht genug Daten um belastbare Aussagen zu treffen, aber definitiv der Hinweis dass da was ist das beachtenswert ist.

Und für mich der Beweis dass das worauf ich bei mir paradoxe Reaktionen kenne wohl auch bei anderen ADHSlern auftritt.

Spannend finde ich auch deinen Hinweis zu den Säureblockern - da bei mir wohl demnächst eine Behandlung ansteht wo die nötig sind, wüsste ich da gerne näheres. Gegebenenfalls per PN.
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Re: MPH und Narkose bzw. paradoxe Wirkungen

Beitrag von laetitia » 20. Oktober 2016 12:59

Sorry Eule für die verspätete Antwort. Ist gerade irgendwie so eine schräge Zeit...

Klar kannst du mir schreiben wegen Fragen zu Medis. Ob es dann hilfreich ist, ist die andere Frage. Näheres kann ich dir jedoch nicht wirklich sagen, ich weiss nicht mal mehr, wie das Präparat hiess...habs kürzlich weggeschmissen...nur, dass im Beipackzettel sowas als Nebenwirkung aufgelistet war. Daher weiss ich nicht, wie paradox diese Wirkung wirklich ist.

Und im Moment ist eh irgendwie alles etwas nervig. Ständig kommen solche Attacken von innerer Unruhe und auch manchmal Ängstlichkeit. Einen Tag bevor ich meine Tage bekommen habe, war es so nervig, dass ich nicht schlafen konnte. Da nahm ich morgens um 3 ein Ibuprofenum (600mg) und wurde plötzlich ganz ruhig, hat sogar mein Date bestätigt oder besser gesagt ohne dass ich es erwähnt hätte erstaunt festgestellt...

Aber ja, egal...normal ist eh langweilig, oder?
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