Pubertät entfernt uns

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Liane
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Pubertät entfernt uns

Beitrag von Liane » 5. Januar 2017 23:31

Hallo,

wir erleben gerade einen Höllentripp. Mein Sohn, fast 13, wird gerade von "Elvanse" auf "intuniv" umgestellt. Das Elsvense, welches 2 Jahre lang gut geholfen hat, ist seit einem dreiviertel Jahr nicht mehr ganz zufriedenstellend. Intuniv soll nun das Mittel der Wahl sein. Dauert aber einige Wochen, bis es wirkt. Wie dem auch sei. Es ist sei Monaten schwierig bei uns. Seit Wochen wird es sichtlich katastrophaler und seit einer Woche befindet er sich in einer Art "Non-Stop-Rebound", kombiniert mit einem stark pubertierenden Verhaltensrepertoir... :shock: also einen unsere Nerven und unseren Familienleben belastender Zustand. Sobald er zu Hause ist, erleben wir eine nicht aufhören-wollende Dynamik, der ich nicht mehr gewachsen bin. Wir erleben uns in die Zeit zurückversetzt, als er noch keine Tabletten genommen hat. Er kann noch weniger still stitzen, als vorher, ist nur am Nesteln mit Händen oder am Rumschieben etc. seiner Füße. Er produziert ständig Geräusche - durch was auch immer, die er selbst nicht wahrnimmt. Er macht wieder Dinge, die einem die Haare zu Berge stehen lassen, weil sie niht nachvollziehbar und total unnötig sind, wie z.B. eine volle Tasse Kaba auf die Brötchen im Brötchenkorb zu stellen etc. Sein Sozialverhalten ist sehr abgerutscht und er provoziert uns oder seinen Bruder ohne Unterlass. Ihn interessiert nur noch Elektronikgeräte oder Games. Er streitet sich ganz übel mit seinem Bruder und lehnt sich gegen uns im Übermaße auf eine unangenehme, verbal niederschwellige Art auf. Er eckt auch wieder bei seinem Freund an oder ist nicht "ansprechbar", also verbal erreichbar. Ganz schlimm zu Weihnachten und Neujahr, wo wir immer hinter her sein mussten, dass er keine abgebrannten Kerzen wieder anzündet oder dass er keine Knaller im Haus entzündet. Er rennt durch das Haus, ruhig laufen kann er gar nicht. Er springt beim Essen mehrfach auf und rennt gleich nachdem er den Teller leer hat in die Küche und möchte gleich wieder dorthin verschwinden, wohin er halt geben möchte oder er sitzt auf heißen Kohlen, wenn wir ihn bitten sitzen zu bleiben, was nicht immer gelingt.
Darüber hinaus ist er nun in der 7. Klasse in seinen Noten etwas abgerutscht. :roll: Ich habe beim Vortrag eines Neurobiologen gehört, dass es ein "normaler" Prozess ist, dass das Gehirn in dieser Zeit im "Standby-Modus" funktioniert und es sich wieder nach einiger Zeit aktiviert. Er kann sich seit diesem dreiviertel Jahr kaum mehr konzentieren und die Lernsequenzen für eine Arbeit sind von 45 Minuten auf höchstens 20 Minuten zurückgefallen und das bei parallelem aktiven Verhalten, wie Zimmer aufräumen, Geomag spielen, malen etc.. Anders klappt es gar nicht. Er behält jedoch kaum etwas von dem, was wir lernen, so dass ich für die letzte Englischarbeit 11 Tage lang, jeden Tag die gleiche Grammatikalische Regel mit ihm lernen und Übungen dazu machen musste.

Der Stress, der nicht nur von ihm ausgeht, hat bei mir eine Wirkung gezeigt. Ich habe erheblilche gesundheitliche Magenprobleme, die mir Angst machen. :? Daher muss ich schnellstens etwas verbessern. Ich weiß nun nicht, was wir machen können. Leider kann ich ihn nicht zum Sport bewegen, obwohl ihm das bestimmt super gut helfen würde. Im Handball, dass ihm Spaß machte, wurde er gemobbt und er hat es aufgehört. Tennis, Fußball, Karate hat er einige Zeit gemacht und wieder aufgehört. Ich habe versucht ihn auf coole Sportarten aufmerksam zu machen, wie Tauchen, Klettern, Downhill etc. und er war zweimal schnuppern bei "Parcour", aber er nimmt nichts an und will nur "sein Ding" machen. Ich überlege, ob uns eine
Familientherapie helfen kann oder ein Streittraining für die Geschwister, wobei ich nicht weiß, wer so etwas anbietet. Oder ob eine Verhaltenstherapie für ihn ein Erfolg sein würde oder sonstige Therapien etc..

Wer kann uns ein paar Tipps geben zu unserer Problematik? :idea:

Viele Grüße

Liane
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Menolly
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Re: Pubertät entfernt uns

Beitrag von Menolly » 6. Januar 2017 10:24

Hallo Liane,
ich hab mal deine alten Beiträge überflogen...

Und festgestellt, das du die Frage welche Therapien außer Medis noch gemacht wurden nie beantwortet. :?

Ich kann dir nur sagen, das es ab jetzt richtig schwierig wird, da was Passendes zu finden.

Allerdings sind die Beschreibungen von dir ADHS Typisch, und haben erst mal nichts mir der Pubertät zu tun.
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Maya18Max
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Re: Pubertät entfernt uns

Beitrag von Maya18Max » 6. Januar 2017 11:32

Hallo Liane,

noch habe ich keinen “Pupertierenden“, kann dir sonst auch nicht viel dazu sagen. Meine Erfahrung durch Austausch ist aber auch eher dahingehend, dass wenn “sie“ mal auf der weiterführenden Schule sind, das “Kind“ meistens in den Brunnen gefallen ist, wenn bis dahin die ADHS Probleme nicht stabilisiert sind.

Für uns war wichtig, baldmöglichst mit Medis UND Therapien (Verhaltens+Lerntherapie) anzufangen, dass man möglichst nicht zu weit in die Abwärstsspirale kommt. Die Kinder leiden sehr und bekommen ständig negative Rückmeldung (Schule, Eltern, Geschwister, Freunde, Verwandte usw.). Das ist zu vermeiden.

In einer Mutter-Kind-Kur (univita.com) auf Gut Holmecke habe ich erfahren, was ADHS heisst und wie die Kinder sich fühlen. Hier habe ich wertvolle Tips bekommen zur Umsetzung. Vielleicht kann Euch das helfen?

LG Maya
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Roosvelt
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Re: Pubertät entfernt uns

Beitrag von Roosvelt » 7. Januar 2017 09:27

Hallo Liane,

du hast mein Mitleid für deine Situation. Ich kenne das zu gut. Der Alltags bei uns zu Hause war lang so unerträglich, dass ich auch körperliche wegen dem Stress gelitten habe.

Meine Tochter Roosvelt ist 14 Jahre alt, hat ADS und andere emotionale Probleme in Richtung soziale Verhalten und emotionale Beziehungen mit Menschen. Sie hat erst seit 2 Jahre eine richtige Diagnose. Sie hat bis jetzt Concerta genommen. Parallel dazu macht sie eine Therapie bei der Kinder Psychiaterin, was sehr gut hilft. Man merkt, dass die Medis ihr erlauben, über das besprochen nach zu denken und dann kleine Änderungen um zu setzen.
Sie geht auch zur Lerntherapie ein Mal die Woche, dass ist für sie definitiv eine Notwendigkeit. Ohne das kriegt sie kaum was gebacken für die Schule.
Und sie ist auch zeitweise zur Logopädie gegangen, was auch deutliche Fortschritte gebracht hat.

Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute für 2017 und möglichst bald eine Verbesserung im Familienalltags erleben zu dürfen :zuneigung:

Liebe Grüße,
Charlie
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Re: Pubertät entfernt uns

Beitrag von Liane » 8. Januar 2017 09:22

Hallo und danke für Eure Antworten,

ich kann mal auflisten, was ich noch von unserem bisherigen ADHS-Weg zusammentragen kann:
- Besuch bei einer Psychologin aus dem Freundeskreis (1 Jahr alt)
- Besuch einer Beratungsstelle für Eltern und Kinder mit exzessiven Schreie, Schlaf- und Fütterstörungen (2 Jahre alt)
- Besuch bei einer Psychologin für ca. 6 Sitzungen, mit Diagnose „Regulationsstörungen“ (2 1/2 Jahre alt)
- Einige Anläufe auf homöopathischen Weg etwas zu bewirken, hat leider nichts gebracht
- Ergotherapie (Die Ergotherapeutin spricht hier das erste Mal von ADHS - 3 Jahre) ca. 12 mal
- Besuch bei Cordula Neuhaus in Esslingen zur Diagnoseermittlung (3 1/2 Jahre alt)
- 1. Elterntraining bei Cordula Neuhaus – Wochenendkurs
- Besuch einer Selbsthilfegruppe bis diese aufgelöst wurde
- Suche nach einem für uns in Frage kommenden Psychologen, was sich als äußerst schwierig herausstellte…
- Schnupperstunde bei einer Psychomotorikstunde, welche leider aufgrund der Gruppensituation nicht angefangen werden konnte.
- 1. Mutter-Kind-Kur mit speziellem Programm für mich und meinen Sohn inkl. Elterntraining und ADHS Informationen usw. (2008)
- Im Raum stand eine gewisse Zeit auch Asperger, was jedoch nur als eher grenzwertig eingestuft wurde.
- Seit 2009 sind wir bei einem Kinder- und Jugendpsychiater; zwei Jahre lang mit Heilpädagogischen Sitzungen. Leider ist er 110 km entfernt, was wir jedoch in Kauf nehmen. Nach einigen Medikationsänderungen (Methylphenidat, Equasym, Attentin, hat er nun seit 2 ½ Jahre Elvanse 70 mg genommen und wird gerade auf „intuniv“ umgestellt.
- 2012: 2. Mutter-Kind-Kur mit Trainingsprogrammen für meinen Sohn inkl. Elterntraining „Optimind“
- Von Juni 2013 bis Dezember 2015: Heilpädagogische Begleitung zu Hause und im Wald mit Therapiehund
- Nebenbei besuchte er für 2 1/2 Jahre ein LRS-Training

Was könnten wir noch sinnvoll ergänzen? Was habt Ihr für Erfahrungen, was Euch und Eure Kinder unterstützt hat mit Beginn der Pubertät oder in Eurem ADHS-Leben?

Viele Grüße

Liane
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Menolly
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Re: Pubertät entfernt uns

Beitrag von Menolly » 8. Januar 2017 10:22

Also nicht einmal eine Verhaltenstherapie gemacht.
Das Elsvense, welches 2 Jahre lang gut geholfen hat, ist seit einem dreiviertel Jahr nicht mehr ganz zufriedenstellend
Wurde die Dosis denn angepasst, oder wurde gleich auf das andere Umgestellt?

Noch mal, für mich liest es sich nicht nach Pubertärem verhalten sondern eine aufgeprägte ADHS.
Seht zu, das er wieder richtig eingestellt wird!

Verhaltenstherapien solltest du mal bei der Krankenkasse oder tatsächlich auch beim Jugendamt nachfragen.
Such mal im Internet danach, was es in eurer Gegend so gibt.
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Re: Pubertät entfernt uns

Beitrag von Maya18Max » 8. Januar 2017 11:22

Hallo Liane,

das ist tatsächlich viel, was ihr da gemacht habt in Summe.

Was hat Euch denn die Praxis in Esslingen empfohlen? Die sind ja wirklich kompetent und helfen echt i.d.R. in jeder Lebenslage weiter (auch kurzfristig). Wir sind bisher dort sehr gut gefahren nach der Diagnostik und dem Beginn der Verhaltenstherapie. Es gibt auch Familien, die dort mit dem 2./3. Kind in Therapie sind.

Ich denke eben auch, dass eine Therapie (länger!!) echt wichtig wäre. Neben den gut eingestellten Medikamenten, können die Betroffenen da echt gut davon profitieren.

Auch wir haben das Elterntraining in Esslingen gemacht. Allerdings muss ich gestehen, hat uns das außer den Medikamententeil und wie das Hirn bei ADHS funktioniert nicht so viel gebracht, da wir davor eben das Tiergestützte Elterntraining absolviert hatten. Das kann ich wie gesagt echt empfehlen!!

Ich weiß nun nicht, welche SHG ihr besucht habt und wo genau ihr wohnt. In Metzingen trifft sich ab Ende Januar eine ganz neue Gruppe des AD(H)S Deutschland e.V. Hier sind auch Betroffene Eltern dabei, die Kinder/Jugendliche im gleichen alter haben. Vielleicht ist das noch eine Idee? Infos: viewtopic.php?p=628608#p628608

LG Maya
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Re: Pubertät entfernt uns

Beitrag von Liane » 8. Januar 2017 16:24

Hallo Maya,

danke für Deine einfühlsame Antwort. Leider wohnen wir 16 km von Heidelberg entfernt im Rhein-Neckar-Kreis, so dass wir an diese Region gebunden sind. Wir haben damals die Emfpehlung für Cordula Neuhaus von der Ergotherpeutin erhalten, da nur wenige so früh diagnostiziert haben. Er war ja auch erst 3 1/2 Jahre alt. Bei dem Kinder- und Jugendpsychiater, bei dem wir heute sind, wurde er mit gerade eben 6 Jahren das zweite Mal getestet. Seitdem erhält er Medis. Bisher war er gut eingestellt. Allerdings bekam er schon die höchste Dosis Elsvanse, so dass der Arzt versuchte, diese so lang wie möglich zu halten, weil er sie gut vertragen hat. Mittlerweile ist ja das neue Medikament "intuniv" auf dem Markt und er wird jetzt gerade daran gewöhnt und immer höher dosiert. Das dauert vier bis sechs lange Wochen, bis man sagen kann, ob es tatsächlich für ihn passt. Ggf. passt es ja super und meine/unere aktuellen Probleme lösen sich in Wohlgefallen auf.

Hallo Mellody,
sehr geschockt hat mich der Ton, der mir hier entgegenschlägt:
"Also nicht einmal eine Verhaltenstherapie gemacht." - "Seht zu, das er wieder richtig eingestellt wird!"
Ich suche hier eigentlich nach Hilfe und Verständnis und würde mich über eine freundliche und sozialverträgliche Kommunikationsform freuen. Eine vorwurfsvolle Kommunikation schafft hier keine Nähe und schon gar nicht Vertrauen. Wenn das hier Neulinge als erstes lesen, sind sie gleich wieder weg!

Klar, vielleicht haben wir da einen Fehler gemacht und hätten schon mit 7 Jahren beginnen sollen, ihn einer Verhaltenstherapie zuzuführen. Allerdings haben wir ja auch immer etwas anderes angeleiert oder aus bestimmten Gründen stand etwas anderes im Vordergrund. Bei unserem Kinder- und Jugendpsychiater war das auch nur kurz einmal Thema gewesen, aber nicht so, dass er es nachdrücklich für notwendig erachtet hätte. Neurofeedback wurde von mir auch vorgeschlagen, aber er lehnt das grundsätzlich ab, so dass wir alternative Hilfe immer selbst gesucht haben. Auch die tolle Begleitung durch die Heilpädagogin mit Therapiehund zuhause und in der Natur, habe ich selbst initiiert, damit es dem Kind und uns besser geht. Auch regelmäßige Besuche bei der Osteopathin gehören zu meinem persönlichen Verbesserungsprogramm. Es war irgendwie immer etwas am Laufen... dennoch weiß jeder hier, dass es trotz aller Therapiemaßnahmen und Medis immer eine Berg- und Talfahrt ist, es schwierig und belastend sein kann oder sein kann und Krisen dazugehören. Patentrezepte gibt es ja leider nicht...

Alles auf einmal geht auch nicht immer und macht meines Erachtens auch keinen Sinn. Z.B. hatte er zweimal die Woche LRS Training und zwei Jahre lang die Heilpädagogin, die ihn einmal die Woche besucht hat. Da war keine Zeit, parallel auch noch ein Verhaltenstherapie zu beginnen. Er wird ja diesen Monat 13, vielleicht ist es ja dann doch noch möglich. Ich werde unseren Arzt jetzt noch einmal mit Nachdruck auf die Therapie ansprechen.

Es war jetzt durch die Tablettenumstellung einfach alles zu viel. Bisher war es jedes Jahr so, dass er zwei Wochen vor Weihnachten total hochgefahren ist, dann nach Weihnachten auf dem Level blieb wegen Silvester und ab 1. Januar wieder einigermaßen "ausgeglichen" war. Dieses Jahr kam der "entspannende" Zeitpunkt aber nicht...
Es gibt eine SH-Gruppe in Heidelberg, an die ich mich nun wenden werde. Manchmal muss man aber auch einfach die Zeit aussitzen. Ich muss einfach erst einmal die nächsten vier Wochen abwarten, vielleicht ändert sich ja tatsächlich alles.

Danke und ein schönes Wochenende

Liane
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Re: Pubertät entfernt uns

Beitrag von Menolly » 8. Januar 2017 18:23

Vorwurf?
Nun ja, bei mir sind die Beiträge fast immer kurz und knapp gehalten. Du bist ja schon etwas länger hier im Forum, daher habe ich nicht gesehen, das ich für dich extra noch mal ganz weit ausholen muss.

Also noch mal zum Verständnis:
Menolly hat geschrieben:Also nicht einmal eine Verhaltenstherapie gemacht.
Soll heißen= nicht mal von den Behandelnden Ärzten wurde das angeboten?
Menolly hat geschrieben:Seht zu, das er wieder richtig eingestellt wird!
Übersetzt - Macht den Ärzten Beine, da es für euch alle so einfach nicht zumutbar ist.
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Re: Pubertät entfernt uns

Beitrag von Maya18Max » 9. Januar 2017 11:45

Liane hat geschrieben:Leider wohnen wir 16 km von Heidelberg entfernt im Rhein-Neckar-Kreis, so dass wir an diese Region gebunden sind. Wir haben damals die Emfpehlung für Cordula Neuhaus von der Ergotherpeutin erhalten, da nur wenige so früh diagnostiziert haben.
Vielleicht könnt Ihr euch aber trotzdem zumindest telefonisch an sie wenden und einen Rat oder evtl. Eine Empfehlung einholen?
Der Weg ist tatsächlich to mich. Wir fahren auch jede Woche eine Std zu ihr in die Praxis. Mehr ist echt schwer drin...
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Re: Pubertät entfernt uns

Beitrag von Liane » 9. Januar 2017 12:16

Hi Menolly, dann habe ich das wohl falsch interpretiert. Okay.
Ja Maya, das ist ein guter Gedanke, ich kann dort einmal nachfragen. Ich fahre auch eine Stunde zu unserem Arzt, aber halt nur alle 6 bis 8 Wochen. Was macht man nicht alles für eine gute Institution oder Betreuung!
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Re: Pubertät entfernt uns

Beitrag von Gutemiene » 13. Januar 2017 20:25

Hallo Liane,
ich glaube, ich kann dich ganz gut verstehen, besonders hierbei:

Hallo Mellody,
sehr geschockt hat mich der Ton, der mir hier entgegenschlägt:
"Also nicht einmal eine Verhaltenstherapie gemacht." - "Seht zu, das er wieder richtig eingestellt wird!"
Ich suche hier eigentlich nach Hilfe und Verständnis und würde mich über eine freundliche und sozialverträgliche Kommunikationsform freuen. Eine vorwurfsvolle Kommunikation schafft hier keine Nähe und schon gar nicht Vertrauen. Wenn das hier Neulinge als erstes lesen, sind sie gleich wieder weg!


Sehr erfreulich finde ich die Erklärungen , die danach kamen.

Schriftlicher Austausch birgt doch das Risiko, dass man nicht immer weiß, wie etwas gemeint ist.


Andererseits weiß ich sehr gut, wie stressig der Alltag mit "besonderen" Kindern manchmal sein kann.
Da ist es eben nicht einfach, die "richtigen" Behandlungen - oder auch die Diagnostik - von den Ärzten "einzufordern".
Überall ist Gekämpfe nötig, oft erschwert durch Missverständnisse.

Ich habe leider keinen konkreten Ratschlag für dich. Mit den Medikamenten kenne ich mich nicht gut aus.
Verhaltenstrainings lehnte mein Sohn z.B. ab, Therapien auch, zudem war ein Platz einfach nicht zu bekommen (Großstadt, man sollte meinen, da sieht es besser aus mit den Plätzen für eine Kinder- u. Jugendtherapie, aber nööö...)

Meine Empfehlung: 1. Bleib cool.... es gibt immer irgendeine Tür, die aufgeht, wenn sich vermeintlich eine andere gerade schließt.
2. Wie sieht es mit Gruppen aus, die Gleichgesinnte vereinigt? Jugendtreffs? Hast du selbst Zugang zu einer Elterngruppe? Frag euren Arzt ggfs. danach.
3. Einzelfallhelfer vorhanden?
4. Gibt es ein Jugendamt bei euch mit Ahnung von der speziellen Materie?
5. Schon mit der Schule zusammen gearbeitet? An dieser Stelle muss ich gestehen, dass ich deinen Beitrag nur überflogen habe.
Mein eigenes Konzentrationslevel ist gerade niedrig...!

Ich hoffe, dass du bald noch mehr hilfreiche Posts bekommst.
Vielleicht fällt mir auch noch was ein.

Erst mal lieben Gruß!
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Re: Pubertät entfernt uns

Beitrag von Gutemiene » 13. Januar 2017 20:35

Okay, habe etwas intensiver gelesen, was du anfangs schriebst.

Sport wäre schön, tät' er nur wollen...kenne ich auch. Ach ja.

Vorschlag: ein Trampolin für drinnen (z.B. von einer Versandfirma aus Süddeutschland mit so'nem Tukanemblem)

Ein pflegeleichtes Haustier, damit kann er Verantwortung üben: Meerschweinchen (immer wenigstens 2!!)vielleicht?

Vor allem schicke ich dir hiermit eine Extraportion Geduld!

Für deine gesundheitlichen Probleme empfehle ich dir, eine Art "dead line" zu setzen: " Bis dann und dann kümmere ich mich noch intensiv um DEIN Problem,ab dann muss ich mich um mich kümmern, wenn das nicht geht, falle ich vielleicht noch länger aus"- was du evtl. auch deinem Ehegespons klar machen solltest:)
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Re: Pubertät entfernt uns

Beitrag von Liane » 16. Januar 2017 00:06

Hallo Gutemine,

danke für Deine tollen Tipps. Einiges kann ich bestimmt für uns anwenden. :)

Ein Haustier haben wir schon. Unsere Katze hilft meinem Sohn beim Einschlafen. Er ist ein sehr schlechter Einschläfer und wenn sie zu ihm ins Bett hüpft, dann traut er sich kaum sich zu bewegen, damit sie nicht wieder weggeht. Er lauscht ihrem Schnurren oder legt seine Hand unter ihren Kopf als Kopfkissen. So schläft er viel schneller ein.

Ein Indoor-Trampo wäre für den Winter super. Sobald das Wetter wieder stabiler ist, kann er zwei Trampos in der Nachbarschaft nutzen, aber für den Winter wäre das echt eine gute Idee. Früher hatten wir einen Schaukelsack in seinem Zimmer und später haben wir dann Ringe daran gehängt, so dass er jederzeit daran turnen konnte. Jetzt ist er schon so groß wie ich und das mit dem Turnen hat sich somit erledigt.

Sportmöglichkeiten werden von ihm immer abgelehnt, weil er nur mit einem Freund zusammen gehen möchte. Es hat sich jetzt jedoch ergeben, dass sein Freund auch einmal beim „Parcour“ schnuppern will und ich hoffe, er ist begeistert. Das wäre super, weil sie dann zusammen losziehen und über Bänke, Geländer etc, hüpfen könnten.

Was meinst Du mit Einzelfallhelfer? Eine pädagogische Hilfe vom Jugendamt? Den Paragraphen 35 a haben wir mit unserer 2-jährigen heilpädagogischen Begleitung schon ausgeschöpft. Gibt es noch eine andere Quelle, die wir noch nicht entdeckt haben?
Ich werde mal beim Jugendamt anrufen und fragen, ob es mittlerweile neue Angebote für ADHS’ler inn unserer Stadt gibt.

Die Selbsthilfegruppe ist leider einige Kilometer weg, aber was macht man nicht alles für die lieben Kleinen…

Der Kinder – und Jugendpsychiater habe ich mittlerweile wegen einer Verhaltenstherapie gefragt. Er meinte, dass er keinen Sinn für ihn sehe, weil seine Sicht auf das Leben eine ganz andere sei. :?: Ich dachte eigentlich, dass es speziell für ADS’ler zugeschnitten Therapien gäbe, aber da muss ich mich erst einmal kund tun.

Beim Arzt hat er nun auch eine andere Dosierung bekommen, so dass es nun wieder viel besser läuft.

Danke erst einmal und viel Grüße

Liane
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Re: Pubertät entfernt uns

Beitrag von Gutemiene » 19. Januar 2017 20:25

Ich wieder:

Schön,wenn das mit dem kleinen Trampolin klappen könnte.
Parcouring ist auch toll, aber wohl eher was für die wärmere Jahreszeit.

Bekommt er das mit der nötigen Geschicklichkeit hin ?
Aber unsere Kinderlein überraschen ja immer wieder, wenn sie etwas wirklich wollen :mrgreen:
(wieso ist der GRÜN?!)

Und dann noch das hier:
"Der Kinder – und Jugendpsychiater habe ich mittlerweile wegen einer Verhaltenstherapie gefragt. Er meinte, dass er keinen Sinn für ihn sehe, weil seine Sicht auf das Leben eine ganz andere sei. :?: Ich dachte eigentlich, dass es speziell für ADS’ler zugeschnitten Therapien gäbe, aber da muss ich mich erst einmal kund tun."

Yeah, die Meinung des Arztes wirft ja kein gutes Licht auf seine Sicht von Psychotherapie (wozu die Verhaltenstherapie ja zählt).
Gute Verhaltenstherapie bei ADSlern wäre vergleichbar mit Sozialtraining bei Aspergerautisten und durchaus sinnvoll.

Kann natürlich auch ein Schuss in den Ofen sein, aber wie will er das vorher schon wissen?! - Natürlich müsste dein Sohn auch dafür zu haben sein. Mach dich erst mal schlau, ob es etwas vergleichbares bei euch in der erreichbaren Nähe gibt.

Auch schon mal an eine Reha gedacht?
Weil eine Rehamaßnahme die spätere Berufsausbildung erst ermöglicht (so ungefähr), wird sie von der Rentenversicherung getragen.
Es gibt - nur als Beispiel! - auch eine Spezialklinik für Jugendliche und Kinder mit eagsthenie upps mit Legasthenie :lol:
Also warum nicht für AD(H)Sler?!

Erfolg/Geduld/Erfolg
wünscht
Gutemiene
"Mach' GUTEMIENE zum Besenspiel" :lol:
Ilayda
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Re: Pubertät entfernt uns

Beitrag von Ilayda » 21. Januar 2017 12:06

Ich klinke mich hier mal ein mit ganz kurzen Hinweisen:

* Reha gibt es auch für ADHS-Diagnose. Wichtig ist die Prognose, dass die Teilhabe an der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Insbesondere in schulischer/beruflicher Hinsicht.

* 35a) kann nicht "ausgeschöpft" sein. Zwar verklickern einem die Jugendämter das gerne, aus Budgetschonungsgründen, aber wenn weitere Unterstützung ERFORDERLICH ist, dann besteht da auch ein Rechtsanspruch drauf. Inwieweit ein Einzelfallhelfer bei Euch hilfreich sein kann (und welche Zielsetzung er überhaupt haben sollte), solltet Ihr aber erstmal in Gesprächen mit dem Kinder- und Jugendpsychiater abklären und eventuell auch mit den derzeit laufenden therapeutischen Maßnahmen. Denn "viel hilft viel" ist hier nicht richtig. Zu viel Therapie kann auch übersättigen und dann zu inneren Widerständen bei unseren Spezis führen - bzw. zu dem Gefühl: Ich streng mich die ganze Zeit an und tu so viel und noch immer ist das nicht genug... Das frustet natürlich und kann zu einer Blockade führen, die dann einen Therapieerfolg erschwert.
Gutemiene
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Re: Pubertät entfernt uns

Beitrag von Gutemiene » 21. Januar 2017 20:16

Ja, beide Punkte von Ilayda möchte ich auch unterschreiben!!

Der Begriff "ausgeschöpft" hört sich nach überfordertem Sachbearbeiter aus dem Jugendamt(JA) an.

Mancmal geht es besser, einen Anspruch durchzusetzen, wenn man sehr konkrete Einzelschritte anmeldet. Das könnte hier so aussehen, dass z.B. ein Einzelfallhelfer für einen ruhigeren Ablauf in der Schule sorgen könnte und du dafür den § 35 a KJHG weiter bemühst oder nach einer anderen Form der Jugendhilfe fragst. Oder dass der I-Helfer deinen Sohn zu einer Sportart begleitet, die wie Psychomotorik speziell für AD(H)Sler ausgerichtet ist.

Übrigens fand ich deine Idee mit der Familientherapie auch gut, nur (wie immer eigentlich) muss man jemand finden, der's gut (=passend) macht.

Für eine Reha stellt man in der Regel zusammen mit dem Hausarzt(Kinder- und Jugendarzt) einen Antrag beim Kostenträger.

Das Absinken von Noten in der 7.Klasse kommt häufig vor, aber ich würde mich nicht davon beruhigen lassen, dass das oft vorkommt. Es gibt genügend Gründe, sein Verhalten ernst zu nehmen. Euch als Familie damit im Regen stehen zu lassen, finde ich gelinde gesagt unmöglich, fast schon sträflich (aus moralischer Sicht).
Gerade weil ein jetzt 13jähriger irgendwann mal therapiemüde werden kann, ist es umso wichtiger, Maßnahmen passgenau und nicht völlig gegen seinen Willen aufzubauen. Aber ein bisschen Überredung darf schon sein. Ist ja auch toll, dass er seine Medis noch nimmt.

Vielleicht fehlt ihm selbst auch die Anerkennung , auch die Anerkennung seiner selbst und durch ihn selbst. Manche Pubertierenden können sich selbst nicht ausstehen, wissen aber nicht, wie sie es anders machen können.... Achja, ist schwer manchmal...

Gutemiene grüßt!
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