Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Dieses Board ist auch für Gäste sichtbar!
Nina1974
Andersweltler
Beiträge: 19
Registriert: 3. November 2016 22:09

Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitrag von Nina1974 » 13. November 2016 01:07

Letzter Beitrag der vorhergehenden Seite:

Ich denke die anderen haben dir schon alles wichtige gesagt.
Ich bin auch neu in dem Thema und kenne mich damit noch nicht gut genug aus um Ratschläge zu geben.

Ich bin froh das du dieses Forum gefunden hast und solche Unterstützung bekommst und es ist schön zu lesen wie du alle Hebel in Bewegung setzt und für deinen Sohn kämpfst .
Novemberwind
Andersweltler
Beiträge: 14
Registriert: 31. Oktober 2016 12:58

Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitrag von Novemberwind » 15. November 2016 08:25

Guten Morgen,

mal ein kurzes Update von mir ... soviel getan hat sich sozusagen noch nicht.

Wir kämpfen im Moment zu Hause. Letzte Woche lief es ganz gut. In vielen Situationen konnte er sich selbst beruhigen und seine Wut in den Griff kriegen. Seit dem Wochenende ist es wieder schwieriger. Kleinste Situationen lassen ihn aggressiv werden. Gestern hat er seine Oma so schwer getreten, dass sie ein offenes Bein hat und hinterher noch heftigst verbal verletzt.

Der KJP ist dabei seine Diagnose"fertigzustellen". Der Plan ist, dass wir beim nächsten Termin, am Freitag über Medikamente sprechen. Beim Jugendamt ist eine Schulbegleitung beantragt. Schulamt habe ich angeschrieben. Sobald die Diagnose steht, werde ich auch die Schulpsychologin anschreiben. Von der Schule haben wir Ende letzter Woche ein Schreiben erhalten, dass eine Klassenkonferenz stattgefunden hat. Dort wurde beschlossen, dass unser Sohn bis auf weiteres nicht mehr am Klassenunterricht teilnehmen darf, sondern nur noch verkürzt einzeln beschult wird.

Wir gehen hier alle am Limit und ich hoffe so sehr, dass die Medikamente ein bisschen Entlastung bringen. Er kann so lieb und toll sein und von einem Moment auf den nächsten ist er eine Furie, die völlig austickt. Mir fehlt gerade bisschen der Mut und der Glaube an ihn.

Traurige Grüße,
Novemberwind
ripley
Foruminventar
Beiträge: 1259
Registriert: 23. Oktober 2010 20:06

Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitrag von ripley » 15. November 2016 12:05

Novemberwind hat geschrieben: Wir gehen hier alle am Limit und ich hoffe so sehr, dass die Medikamente ein bisschen Entlastung bringen. Er kann so lieb und toll sein und von einem Moment auf den nächsten ist er eine Furie, die völlig austickt. Mir fehlt gerade bisschen der Mut und der Glaube an ihn.
Ja, das mit dem "auf der Felge laufen" kann ich sehr gut nachvollziehen.

Und, nochmal ja: Ihr dürft durchaus vorsichtig hoffen, dass euer Sohn etwas (!) stabiler in seinen Gemüts- und Gefühlslagen wird, sich etwas (!) besser kontrollieren kann und ihr etwas (!) besseren Zugang zu ihm bekommt. Wunder dauern aber länger.
Ich sage immer, dass MPH (wenn es denn auf MPH rausläuft UND es bei Eurem Sohn auch wirkt) die Türen nur öffnet, durch- und aufeinander zu gehen müsst ihr dann allesamt schon selber.

Trotzdem dürft Ihr in Bezug auf die schulische Situation so schnell wohl nicht mit Entspannung rechnen. Und, da gehe ich mit Emma konform ... vielleicht ist nach Diagnose und Medikations-Einstellungsphase wirklich ein "Neustart" an einer anderen Schule angezeigt? Aus Erfahrung weiß ich, wie sehr der einmal (wieauchimmer) erworbene "schlechte Ruf" an so einem kleinen Kerlchen pappen bleibt.
Gutemiene
Pagemaster
Beiträge: 153
Registriert: 21. Dezember 2016 11:50

Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitrag von Gutemiene » 29. Januar 2017 14:33

Es gab eine Weile von Novemberwind nichts mehr zu diesem Thema zu lesen.

Dabei ist es (aus meiner Sicht) ein klassischer Fall von Überforderung aller Beteiligter auf allen Ebenen.
Der einzige, der sich im Grunde ein solches "Versagen" erlauben darf, ist der Sohn. Alle anderen sind Erwachsene, die sich besser im Griff haben sollten.

Mir kommen noch die Gedanken:Weshalb hat der KJPsychiater nicht auch eine stationäre Abklärung in Erwägung gezogen?

Und der Hinweis auf gegebenfalls anwaltliche Hilfe war sicher auch nicht verkehrt. Leider !!
Wenn eine Familien eine Rechtsschutzversicherung abschließt, sollte sie eventuell auch an das Verwaltungsrecht mitdenken, denn dieses Rechtsgebiet ist oft in dem Versicherungsumfang nicht miterfasst. Bei Schulkindern aber leider manchmal aktuell!

Mein Job hier ist gewiss nicht das Lehrerbashing. Dafür habe ich zuviel Respekt vor dem Beruf und ich kenne natürlich auch engagierte, "gute" Lehrerinnen und Lehrer. Aber genauso kenne ich auch die, die vermutlich mal geglaubt haben, sie hätten als Lehrer "morgens Recht und mittags frei" und alles, was schwierig ist oder werden könnte, habe mit ihnen nichts zu tun.

Auch ohne moralische Verurteilung solcher Handlungsweisen, wie sie Novemberwind hier geschildert hat, muss man doch klar sagen, dass da jemand den bequemsten und vermutlich rechtlich zweifelhaften Weg gewählt hat, um mit einem unliebsamen Schüler und dessen Familie fertig zu werden. Was für eine Vergeudung von Möglichkeiten...!

Hoffentlich hat sich inzwischen eine geänderte und bessere Situation für alle Beteiligten ergeben.
"Mach' GUTEMIENE zum Besenspiel" :lol:
Novemberwind
Andersweltler
Beiträge: 14
Registriert: 31. Oktober 2016 12:58

Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitrag von Novemberwind » 8. Februar 2017 21:56

Hallo,

leider geht es uns nicht gut und heute war ein ganz schwarzer Tag.

Nachdem wir vorletzte Woche schon mal soweit waren, dass unser Sohn nach der Einzelbeschulung wieder in die Klasse eingegliedert wurde, kam es nach 5 Tagen wiedermal zu einem richtigen Ausraster. Er war in Wut aus der Klasse gelaufen (das soll er auch tun) und wollte dann auf den Schulhof. Da hat ihn der Sozialarbeiter aber zurück gehalten und in sein Büro getragen. Und ihn dort festgehalten. Mein Sohn hat ihn gekratzt und getreten. Es gab dann wieder ein paar Tage Suspendierung. Und seit dieser Woche wieder Einzelunterricht. 2 Tage ging es gut. Heute wieder Theater und der Sozialarbeiter hat sich ihm wieder in den Weg gestellt. Mein Sohn hat wieder getreten. Nun ist er wieder suspendiert.

Wir kommen einfach nicht weiter. Er hat so eine geringe Frustrationstoleranz und seine Wutausbrüche sind so heftig. Zu Hause hat es sich gebessert, aber in der Schule kann man eben die Anzeichen nicht erkennen und er ist nicht allein in der Lage, aus der Situation zu kommen.

Seit Dezember nimmt er Medikinet. Das macht ihn konzentrierter, hilft aber überhaupt nicht bei den Aggressionen. In der Tagesklinik ist er angemeldet, die Wartezeit sind aber noch mehrere Monate. Ich weiß nicht, was wir noch tun können und habe riesige Angst, dass uns die Tagesklinik nicht helfen kann.

Zu allem Überfluss ist heute Abend noch mein Mann ausgerastet (ich meine, das er auch ADHS Anzeichen er) und hat gebrüllt, dass er sich zukünftig nichts mehr von ihm gefallen lassen wird. Und noch andere schlimme Sachen hat er gesagt. Gottseidank hat es mein Sohn nicht gehört.

Ich bin heute wirklich am Ende.
Benutzeravatar
Sheherazade
Foruminventar
Beiträge: 2569
Registriert: 19. Februar 2012 16:20

Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitrag von Sheherazade » 9. Februar 2017 05:25

Novemberwind hat geschrieben:Er war in Wut aus der Klasse gelaufen (das soll er auch tun) und wollte dann auf den Schulhof. Da hat ihn der Sozialarbeiter aber zurück gehalten und in sein Büro getragen. Und ihn dort festgehalten.
:shock: Körperliche Gewalt scheint an der Schule ja ein sehr beliebtes Mittel zu sein um Schüler konditionieren zu wollen. Das geht ja mal gar nicht.
Benutzeravatar
EmmaGSLehrerin
Foruminventar
Beiträge: 4878
Registriert: 23. Oktober 2010 16:07
Alter: 42

Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitrag von EmmaGSLehrerin » 9. Februar 2017 06:57

Sheherazade hat geschrieben:
Novemberwind hat geschrieben:Er war in Wut aus der Klasse gelaufen (das soll er auch tun) und wollte dann auf den Schulhof. Da hat ihn der Sozialarbeiter aber zurück gehalten und in sein Büro getragen. Und ihn dort festgehalten.
:shock: Körperliche Gewalt scheint an der Schule ja ein sehr beliebtes Mittel zu sein um Schüler konditionieren zu wollen. Das geht ja mal gar nicht.
Wie bitte?

Er hat das Kind zur Gefahrenabwehr festgehalten, und das ist auch richtig so!

Wäre es in blinder Wut über den Schulhof, auf die Straße und vor ein Auto gelaufen, hätte die Threadstarterin das sicher total knorke gefunden, weil der Schulsozialarbeiter die Situation ja "gewaltfrei" gelöst hätte. :?

Du kannst uns aber auch gerne die magischen Worte wissen lassen, die ein Kind in so einer Situation zur Vernunft bringen. ;)

Sorry, dass ich so scharf reagiere - aber HALLO?! Was soll er denn SONST machen?!

Selbstverständlich hält man ein Kind fest, das sich bei Wutausbrüchen absolut nicht mehr unter Kontrolle hat und das wer weiß wohin davonzulaufen droht! Oder meinst du, der Schulsozialarbeiter lässt sich treten, weil ihm so langweilig ist?!

Alles Weitere später! Zunächst nur: Es muss allen Beteiligten und deinem Sohn unbedingt klar sein, bis wo er laufen darf, wenn er wütend ist und warum er nciht weiterlaufen darf. Kann es sein, dass da etwas schiefgelaufen ist?
Benutzeravatar
Sheherazade
Foruminventar
Beiträge: 2569
Registriert: 19. Februar 2012 16:20

Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitrag von Sheherazade » 9. Februar 2017 07:07

Nichts für ungut, Emma, aber lies bitte den Thread mal von vorne, das gewaltsame Festhalten scheint dort Methode zu haben und genau dieses Verhalten lässt das Kind vollends austicken. Darüberhinaus ist es ganz offensichtlich abgesprochen, dass das Kind überlastende Situationen zur Erlangung der Selbstkontrolle verlassen darf und auf den Schulhof gehen kann.

Man kann selbstgefährdendes Verhalten eines Kindes auch provozieren bzw. verstärken, wenn man den Umgang damit nicht beherrscht.
ripley
Foruminventar
Beiträge: 1259
Registriert: 23. Oktober 2010 20:06

Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitrag von ripley » 9. Februar 2017 09:50

Das ist so ein bisschen die Frage nach dem Huhn und dem Ei, nicht wahr? Wendet der Sozialarbeiter Zwang an, weil das Kind ausrastet oder rastet das Kind aus, weil der Sozialarbeiter Zwang anwendet?

Ich muss sagen, ich bin da eher an Emmas Seite. Nicht zuletzt, weil ich mir seinerzeit wirklich SEHR gewünscht hätte, dass Juniors Lehrer ihren Anforderungen und Anweisungen wesentlich häufiger entsprechenden Nachdruck verliehen hätten. Haben sie aber nicht, teils, weil es ihnen zu ... anstrengend war, teils, weil sie sich nicht trauten. Ist auch mit der aktuellen Gesetzeslage schwierig derzeit.

Wobei ich dazu sagen muss, dass es für mich (!) eine Grenzlinie zwischen - manchmal durchaus sinnvollem - auch körperlicherm Zwang einerseits und - immer verwerflicher - körperlicher oder seelischer Gewalt andererseits gibt. Das eine ist Mittel und Hilfe bei der Erziehung (doch, ich meine das genau so und du machst das jetzt genau so!), das andere ist den anderen ohnmächtig machen und verletzen.

Hätte ich den Junior völlig ohne, auch körperlichen, Zwang erziehen und in seine Grenzen weisen wollen, wäre ich komplett gescheitert und er inzwischen nicht an der Uni, sondern im Knast oder dauerhaft in der Psychiatrie. Das ist meine feste Überzeugung.
ADHDgoesto11
Foruminventar
Beiträge: 1339
Registriert: 12. Januar 2011 20:31

Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitrag von ADHDgoesto11 » 9. Februar 2017 10:18

ripley hat geschrieben:Das ist so ein bisschen die Frage nach dem Huhn und dem Ei, nicht wahr? Wendet der Sozialarbeiter Zwang an, weil das Kind ausrastet oder rastet das Kind aus, weil der Sozialarbeiter Zwang anwendet?
Meistens ist es ein längerer Prozess, sich aufschaukelnder Prozess mit Rückkopplung (vulgo: "Teufelskreis"), der am besten von dem Beteiligten mit funktionierender Impulskontrolle (*1) erkannt und unterbrochen werden sollte, und das möglichst vor dem Punkt, wo körperlicher Zwang zur Gefahrenabwehr unvermeidlich (*2) ist.

(*1) Damit ist derjenige mit am wenigsten ADHS gemeint.
(*2) "auf den Schulhof rennen" ist noch davor, "den Schulhof verlassend in Richtung Straße rennen" ist danach.

Ja, ich geb's zu, das ist schwierig. Bessere Hälfte schaltet in solche Fällen auch immer in den "Ich will jetzt streiten und gewinnen!"-Modus, der an einer um eine Oktave erhöhten Stimmlage und deutlich erhöhte Sprechgeschwindigkeit zu erkennen ist. Das ist für Sohnemann das Signal, jetzt, sofort und gründlich auszuticken. Man kann da quasi die Uhr danach stellen.

Tochter *2007 ... ADHS
Sohn *2005 ADHS+Autismus
Benutzeravatar
Menolly
Foruminventar
Beiträge: 4553
Registriert: 15. Dezember 2008 18:34
Alter: 50

Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitrag von Menolly » 9. Februar 2017 12:22

Ich glaube Emma hatte das ganze nicht mehr auf dem Zettel :zuneigung:

Nur, das ganze ist dort einfach total verfahren. Eigentlich sollte der Sozialarbeiter Deeskalierend auf deinen Sohn einwirken.
Wo ist das Problem, wenn er deinem Sohn einfach sagt; Wenn du auf dem Schulhof eben ein paar Runden laufen willst um deine Wut los zu werden ( Beispiel) Dann warte eben auf mich, damit ich mir ne Jacke holen kann. Denn genau für so was ist er da!

Meiner hätte auch so reagiert wie deiner.
ADHDgoesto11, Sheherazade und ich gucken da wohl auch noch einmal etwas anders drauf, da unsere Kinder zusätzlich noch Autisten sind. Wobei es bei meinem erst mit 15 Jahren ( endlich mal ) Diagnostiziert wurde. :roll:

Und immer, wenn ich deine Beschreibungen lese muss ich an meinen Denken. Er wurde zwar nicht Handgreiflich, aber schrie dann die schlimmsten Schimpfwörter nur um die anderen von sich weg zu halten.

Denk mal darüber nach, und lies dich mal hier über Asperger durch.

Liebe Grüße
Menolly
Du sollst Deine Freunde nicht trocknen und rauchen.
Wer in die Fußstapfen anderer tritt, hinterlässt keine eigene Spur.
Wilhelm Busch
Bienchen geschafft 24x für 2016
Hier könnt ihr euch Smileys suchen.
Benutzeravatar
Sheherazade
Foruminventar
Beiträge: 2569
Registriert: 19. Februar 2012 16:20

Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitrag von Sheherazade » 9. Februar 2017 13:10

Ja, ich gucke da anders drauf, weil bei unserem Jüngsten alleine aufgrund des Autismus "anfassen" verboten ist bzw. war und das mit einer gesteigerten Weglauftendenz - da habe ich gar nicht erwartet, dass die Lehrer damit klarkommen, deshalb hatte er auch einen Schulbegleiter. Wobei es der Vorgänger geschafft hat, sich auf dem Sportplatz auf meinen Sohn (damals 7 Jahre alt) zu setzen, weil der mit der räumlichen Weite nicht klarkam und entsprechend austickte.

Allerdings wäre bei dieser Vorgehensweise
Novemberwind hat geschrieben:Er war in Wut aus der Klasse gelaufen (das soll er auch tun) und wollte dann auf den Schulhof. Da hat ihn der Sozialarbeiter aber zurück gehalten und in sein Büro getragen. Und ihn dort festgehalten.
auch unser Großer "nur" mit ADS völlig ausgeklinkt. Damit wird eine schon bestehende Hilflosigkeit bis zum Exzess getrieben.
Benutzeravatar
EmmaGSLehrerin
Foruminventar
Beiträge: 4878
Registriert: 23. Oktober 2010 16:07
Alter: 42

Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitrag von EmmaGSLehrerin » 9. Februar 2017 15:00

Wie ich schon schrieb: Ja, es muss geguckt werden, ob da eine Vereinbarung nicht richtig eingehalten wurde.

Der Lehrer hat Aufsichtspflicht. Für die ganze Klasse. Läuft ein Kind auf den Flur, kann der Lehrer ab und an die Tür aufmachen und gucken, ob das Kind noch dort ist (= KEINE Verletzung der Aufsichtspflicht) Läuft das Kind hingegen auf den Schulhof, ist es außerhalb des Kontrollbereichs seiner Lehrer, das geht eben nicht so einfach.

Allerdings wäre die Frage, ob der Sozialarbeiter das Kind nicht einfach auf dem Schulhof hätte beaufsichtigen können. Und eben sowas muss man jetzt klären.

Ich bleibe dabei: Ja, auch das Tragen in den Betreuungsraum kann gerechtfertigt sein! Wenn das Kind zum Beispiel auf den Schulhof rennt und brüllt: Ihr könnt mich alle, ihr Arschlöcher, ich geh nach Hause!!!", dann muss ein Erwachsener Gefahr abwehrend reagieren. Und da auch ein Erwachsener ein tobendes Kind nicht dauerhaft festhalten kann (ich spreche aus Erfahrung), kann es eben auch notwendig sein, es ZUR GEFAHRENABWEHR in einem geschlossenen Raum zu halten, bis die Erziehungsberechtigten eintreffen. Hab ich in meiner beruflichen Praxis auch schon gemacht, nachdem ich ein Kind vom Bürgersteig der stark befahrenen Hauptstraße in die Schule zurückgetragen hatte.

Glaubt mir, wütende Kinder können sehr schnell und sehr stark sein. Deshalb:
(*2) "auf den Schulhof rennen" ist noch davor, "den Schulhof verlassend in Richtung Straße rennen" ist danach.
...und ich hätte keine Lust, den Eltern oder dem Richter zu erklären, warum ich beim Übergang zwischen dem einen und dem anderen nicht schnell genug hinterhergekommen bin und warum ich nicht eher reagiert habe, um die Gefahr abzuwehren.

Das alles hat dann auch wirklich NULL mit einer erzieherischen Maßnahme zu tun. Weshalb ich jetzt auch ganz bewusst darauf verzichte, den gesamten Thread nochmal zu lesen. Denn: So scheiße die Schule sein mag, diese Situation sehe ich losgekoppelt von allen andern!

Was hier passierte, diente alleine der - ich benutze das Wort nochmal ;) - Gefahrenabwehr. In diesem Moment ist wichtig, dass dem Kind nichts passiert - alles andere kann und sollte im Nachhinein besprochen werden.
Novemberwind
Andersweltler
Beiträge: 14
Registriert: 31. Oktober 2016 12:58

Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitrag von Novemberwind » 9. Februar 2017 16:43

Nochmal zu der Situation: mein Sohn war wütend und wollte rauslaufen. Es ist anzunehmen (das entspricht unseren Erfahrungen in solchen Fällen), dass er auf dem ganzen Weg (das Klassenzimmer ist in der 3. Etage) sich bis zum Schulhof schon wieder halbwegs beruhigt hätte. Er hasst es, in Wut angefasst zu werden und spätestens beim Wegtragen geht nichts mehr. Die Schule liegt auch an einem Park und nicht an einer Straße. Groß war die Gefahr nicht, dass ihm was passieren konnte, aber ich verstehe ja die Schule, die die Aufsichtspflicht hat einerseits. Andererseits haben sie auch keine Erfahrung mit ADHS und wollen auch nicht hören, was der Arzt in der Therapie sagt oder was nach unseren Erfahrungen funktioniert. Ich weiß nicht, wie wir aus der Schleife rauskommen. Man hat uns nun mitgeteilt, dass der Sozialarbeiter nicht mehr allein auf ihn aufpassen kann; mein Sohn darf nur noch in die Schule kommen, wenn zwei Lehrkräfte Zeit haben oder aber die im Oktober beantragte Schulbegleitung endlich da ist. Was das bedeutet, weiß ich nicht. Wahrscheinlich wollen sie ihn dann zu zweit festhalten und das ganze wird im Chaos enden.

Der Psychologe meint, dass er in solchen Momenten eine große Einengung spürt und man dem sehr gut begegnen kann, wenn er raus (an die Luft) geht. Das stimmt tatsächlich.

Allerdings bleibt das Grundproblem: er wird wegen allem und jedem wütend und hat kann sich ganz schlecht regulieren. Unser Leben ist so eingeschränkt, weil wir mit ihm kaum Freunde treffen können. Die Kinder wollen natürlich alle in ihren Kinderzimmern spielen und nicht bei den Erwachsenen. Aber das trauen wir uns nicht. Was ist, wenn er da haut. Er ist immer unter Kontrolle und außer die Großeltern und wir hat ihn keiner im Griff. Habt Ihr Tipps für mich? Wie kriegen wir ihn bloß in die Spur???
Benutzeravatar
EmmaGSLehrerin
Foruminventar
Beiträge: 4878
Registriert: 23. Oktober 2010 16:07
Alter: 42

Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitrag von EmmaGSLehrerin » 9. Februar 2017 20:44

Andererseits haben sie auch keine Erfahrung mit ADHS und wollen auch nicht hören, was der Arzt in der Therapie sagt oder was nach unseren Erfahrungen funktioniert.
Hast du mal darüber nachgedacht, die Schulaufsicht (das Schulamt) mit ins Boot zu hholen?

Ordnungsmaßnahmen wie die von dir geschilderten dürfen nur getroffen werden, wenn pädagogische Maßnahmen nicht zum Erfolg geführt haben. Gespräche mit dem Therapeuten verweigern, aber Ordnungsmaßnahmen durchziehen, das geht so nicht!

Ich würde bei der Schulaufsicht mal euer Problem schildern und darum bitten, dass die Vorgesetzten vermittelnd (!) tätig werden.
coach4kidz
Forummitglied
Beiträge: 1
Registriert: 9. Februar 2017 11:46
Wohnort: Husum
Alter: 47
Kontaktdaten:

Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitrag von coach4kidz » 10. Februar 2017 19:53

Hallo Novemberwind,
ich bin gestern durch Zufall auf diese Seite gestossen und habe mir den ganzen Chat einmal durchgelesen.
Eigentlich interessierte mich erst einmal nur eine Frage, auf die ich leider keine Antwort gefunden habe.

Wurde Dein Sohn schon einmal gefragt?

Konnte er mitteilen, was sich verändert hat? Wann und warum die Wutausbrüche auftreten? Wann alles angefangen hat?

Wenn alles mit dem Wechsel in die Schule angefangen hat und es vorher keine Anzeichen (im KiGa oder im Privaten) gegeben hat, was ist an dem Tag passiert?

Zu dem Thema, dass er den Klassenraum verlässt und läuft, kann ich aus meiner Arbeit als Schulbegleiterin und Coach nur sagen, dass das sehr gut ist. Durch das Laufen geht die Aggression runter und Dein Sohn kann wieder denken.

Ich wünsche Dir viel Kraft, Stärke und Zuversicht.
Novemberwind
Andersweltler
Beiträge: 14
Registriert: 31. Oktober 2016 12:58

Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitrag von Novemberwind » 11. Februar 2017 17:54

Das Schulamt haben wir bereits im Oktober um Unterstützung gebeten ... bis heute leider keine Reaktion.

Zu den Wutausbrüchen kann mein Sohn nicht viel sagen. Hinterher weiß er ja immer, dass das nicht richtig war. Nur in dem Moment kann er sich nicht kontrollieren. Angefangen hat es im Prinzip am 1. Schultag. Da war er frech zu einer Aufsicht (hat blah blah gesagt) und das Ganze wurde immer schlimmer, bis es nach ungefähr 5 Wochen eskalierte. Lt. unserem Psychologen passiert das oft mit Eintritt in die Schule aufgrund der vielen Anforderungen. Außerdem war er neu und kannte weder Lehrer noch Kinder vorher. Noch heute "lebt" er in der Kita-Zeit. Erzählt viel von Erlebnissen aus dieser Zeit.

Diagnostiziert wurde AdHS mit stark oppositionellem Verhalten. Hat jemand auch so ein Kind oder Erfahrungen damit?
Gutemiene
Pagemaster
Beiträge: 153
Registriert: 21. Dezember 2016 11:50

Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitrag von Gutemiene » 11. Februar 2017 22:37

Das Schulamt wird auch nicht weiter wissen. Vielleicht sind sie dort auch schon "vorinformiert" durch eure Schule.

Erfahrungen von anderen zu hören ist immer beruhigend, wenn sie gut enden oder noch einmal eine völlig neue Idee kommt.

Andererseits ist jeder Mensch, auch jedes Kind anders. Die Umstände sind nicht gut vergleichbar. Schlimm ist auch, wenn die Eltern aus verständlichen Gründen nicht an einem Strang ziehen (können).
Ich kenne das, ich habe jahrelang nicht nur mit meinen Söhnen und dem System Schule gekämpft, sondern auch noch mit meinem Mann, der zwar guten Willens, aber völlig gefangen in seinen eigenen Homestories war.

Hast du schon mal überlegt,das Jugendamt einschalten? Ihr benötigt dringend Unterstützung. Man kann auch die Schulpflicht aussetzen und erst mal am psychischen Leid eures Jungen arbeiten (nach all diesen Erfahrungen).

Lieben Gruß trotzdem oder gerade deshalb
"Mach' GUTEMIENE zum Besenspiel" :lol:
Antworten

Zurück zu „Erziehungsfragen bei ADS und ADHS*“