ADHS vs Erziehung

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Marty123
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ADHS vs Erziehung

Beitrag von Marty123 » 27. September 2015 15:22

Hallo,

Mein mittlerer Sohn hat ADHS. Er stößt mittlerweile irgendwie über all an. In der Schule ist eroft sehr unaufmerksam und extrem überreizt. Also er steht teilweise im Unterricht auf und verlässt das Klassenzimmer. Das macht er dann natürlich auch ohne zu fragen und hat auch schon den ein oder anderen Aufstand verursacht. Mein Sohn erklärt immer wieder, dass er es im Klassenraum oft nicht aushalte, einen wirklich greifbaren Grund kann er allerdings nicht benennen. Hinzu kommt, dass er absolut nicht blöd ist, laut Test sogar hochbegabt. Er sitzt oft im Unterricht vor seinen Aufgaben und malt sich lieber die Hände voll (oder irgendeinen anderen Blödsinn) anstatt seine Aufgaben zu bearbeiten. Wir müssen dann oft am Wochenende einfach noch Aufgaben nachbearbeiten, was ein endloser Kampf ist. Wenn er sich nur mal eine halbe Stunde konzentrieren würde, wären die Aufgaben sofort erledigt. Aber so brauchen wir teilweise 3-4 Stunden, wenn es ganz schlecht läuft auch gerne länger.

Das andere Problem sind seine Mitschüler. Er ist oft sehr impulsiv und sehr leicht zu provozieren, was dann von den anderen sehr gerne ausgenutzt wird. Wobei mein Sohn in der Hinsicht auch absolut kein Engel ist. Wenn jemand mal etwas nicht so gut kann, wie er sich das denkt, dann wird er auch sehr schnell provozierend oder beleidigend. Andernfalls redet er und redet und ich habe manchmal das Gefühl, dass er gar nicht mitbekommt, ob man ihm noch folgen kann oder nicht. Er redet einfach weiter und wird dann wieder böse, wenn er nicht verstanden wurde.

Selbst beim Sport bricht ihm seine Impulsive Ader manchmal ein Bein. Er läuft teilweise manchmal lieber ein paar Strafrunden anstatt auf das zu hören, was der Trainer grade erklärt. Teilweise trägt mein Sohn auch die Verantwortung dafür, dass das komplette Team Strafläufe laufen muss. In der letzten Saison durfte er auch schon bei zwei Spielen nicht mitspielen, weil er sich während des Trainings so schlecht benommen hat und bei einem Spiel wurde er nach einem Viertel direkt auf die Bank gesetzt.

Oft ist er auch einfach nur albern und kaspert total viel rum. Sowohl vor seiner kleinen Schwester, als auch in der Schule/ beim Sport. Das kann einem auch ganz schnell auf die Nerven gehen...

Was ich mich nur sehr, sehr oft frage seitdem wir die Diagnose habe: woher weiß ich in einem Moment, ob sich mein Sohn schrecklich benimmt, weil er ADHS hat oder ob er sich grade einfach schrecklich benimmt, weil er das grade so möchte. Mir geht es nicht darum eine Entschuldigung für meinen Sohn zu finden, aber ich denke, dass ich in der  Vergangenheit sehr viele Fehler gemacht habe, weil ich meinen Sohn angemotzt habe in Situationen, die er sich vermutlich selber  gerne anders erlebt hätte.

Ich fühle mich auch mit der Diagnose ziemlich alleine gelassen. Mein Sohn soll in der Praxis von der Psychiaterin eine Verhaltenstherapie machen und dann sollten wir auch eine Eltern-Therapie machen. Bisher ist aber kein Platz frei, das ginge frühestens ab November...
Als wir die Diagnose bekamen, waren mein Mann und ich uns einig ihm keine Tabletten zu geben. Nachdem wir uns mehr mit dem Thema auseinander gesetzt haben, haben wir uns überlegt es doch mit den Tabletten zu versuchen- scheinbar haben wir ja nichts zu verlieren, absetzen kann man die Dinger scheinbar immer. Das Problem dabei ist nur leider auch, dass wir gelesen haben, dass er eine Therapie erfolglos sein muss, um Medikamente zu verschreiben
Das heißt wir müssen jetzt warten bis die Therapie losgeht, dann müssen wir feststellen, dass sie schief läuft und dann können wir ihn einstellen.
Das schlimme ist nur, dass mein Sohn langsam anfängt zu merken, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Außerdem stehen dieses Schuljahr die Empfehlungen für die weiterführenden Schulen an und ich würde mich freuen mal zu sehen, was denn wirklich alles in ihm steckt. ich frage mich schon viel zu lange, welche denn die richtige Schule für ihn wäre, da er auch schwierige Aufgaben ohne Probleme lösen kann, wenn man bei ihm sitzt und ihn motiviert bzw. ihn an seine Aufgaben erinnert, wenn er aber nicht so streng bewertet wird, gleiten seine Gedanken ganz schnell ab und er bekommt fast nichts auf's Papier. Es ist auch schon vorgekommen, dass er in einer Mathearbeit eine 5 hatte und in der darauffolgenden eine 1.

Ich wünschte mir hier grade einfach ein paar Tipps, vielleicht fällt euch etwas ein, was uns weiterhelfen kann.

LG Marty
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Alina Licht
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Re: ADHS vs Erziehung

Beitrag von Alina Licht » 27. September 2015 15:34

Hallo Marty!
Soweit ich weiß, können die Medikamente auch ohne eine vorhergegangene mißlungene Therapie verschrieben werden.
Zumindest bekommt ein Freund von mir Ritalin ohne VORHER so eine Therapie gemacht zu haben.
Und ich habe auch schon häufiger hier gelesen, dass beides -also Therapie und Medis- parallel eingesetzt wird.
Ich bin aber da auch nicht so im Thema drin, weil ich halt nur über den Freundeskreis von den Medis und so weiß.
Da können dir andere hier sicher noch mehr erzählen.
Gruß, Alina
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lenilein
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Re: ADHS vs Erziehung

Beitrag von lenilein » 27. September 2015 15:44

[quote="Alina Licht"]
Hallo Marty!
Soweit ich weiß, können die Medikamente auch ohne eine vorhergegangene mißlungene Therapie verschrieben werden.
Zumindest bekommt ein Freund von mir Ritalin ohne VORHER so eine Therapie gemacht zu haben.
Und ich habe auch schon häufiger hier gelesen, dass beides -also Therapie und Medis- parallel eingesetzt wird.
Ich bin aber da auch nicht so im Thema drin, weil ich halt nur über den Freundeskreis von den Medis und so weiß.
Da können dir andere hier sicher noch mehr erzählen.
Gruß, Alina
[/quote]

Ja die tabletten könnten auch so verschrieben werden. Das widerspricht dann allerdings irgendwelchen Richtlinien. So weit ich weiß wird da aber oft nicjt viel Rücksicht drauf genommen, da das Wohl eines Patienten noch mehr im Vordergrund steht oder so. D.h. wenn ihr demnachst eine Therapie in Angriff nehmt, ist es mit Sicherheit auch möglich, dass ihr Medikamente bekommt. Also nicht ihr, sondern euer Sohn.

Sprecht das am besten mit dem Psychiater ab oder geht alternativ zum Kinderarzt.

Lg lenilein
bin ich außergewöhnlich, bin ich anders, bin ich besonders, nein ich bin einfach ich jeder, der das nicht so sieht, der ist es nicht!
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Re: ADHS vs Erziehung

Beitrag von Falschparker » 27. September 2015 15:47

[quote="Marty123"]
Als wir die Diagnose bekamen, waren mein Mann und ich uns einig ihm keine Tabletten zu geben. Nachdem wir uns mehr mit dem Thema auseinander gesetzt haben, haben wir uns überlegt es doch mit den Tabletten zu versuchen- scheinbar haben wir ja nichts zu verlieren, absetzen kann man die Dinger scheinbar immer. Das Problem dabei ist nur leider auch, dass wir gelesen haben, dass er eine Therapie erfolglos sein muss, um Medikamente zu verschreiben [/quote]

Hallo Marty und  :w2:

hast du das nur gelesen oder hat das die Psychiaterin gesagt?

Denn im Grundsatz ist das zwar richtig, aber man muss diese Zeit auch haben. Deinem Sohn droht aber wenn ich das richtig lese der vollständige Außenseiterstatus in der Klasse und das Abgleiten in eine Depression, und das nicht erst in einem halben Jahr.

Und Medikamente sind nicht die einzige denkbare Hilfe, aber die einzige Hilfe die schnell wirkt. Selbst wenn eine Verhaltenstherapie sofort beginnen würde, müsstet ihr Monate warten bis ihr Erfolge seht. Abgesehen davon sind in vielen Fällen nichtmedikamentöse Hilfen ohne Medikamente uneffektiv, es geht, mittelfristig, nicht um Entweder-Oder, kurzfristig aber um schnelle Hilfe.

[quote="Marty123"]Was ich mich nur sehr, sehr oft frage seitdem wir die Diagnose habe: woher weiß ich in einem Moment, ob sich mein Sohn schrecklich benimmt, weil er ADHS hat oder ob er sich grade einfach schrecklich benimmt, weil er das grade so möchte. Mir geht es nicht darum eine Entschuldigung für meinen Sohn zu finden, aber ich denke, dass ich in der  Vergangenheit sehr viele Fehler gemacht habe, weil ich meinen Sohn angemotzt habe in Situationen, die er sich vermutlich selber  gerne anders erlebt hätte.[/quote]

Also diese Frage ist von außen betrachtet einfach zu beantworten. Dein Sohn müsste ausgesprochen bescheuert sein, wenn er sich so benimmt weil er das möchte. Praktisch alles was du beschreibst ist ADHS-typisch, aber sowas von.

Verantwortlich ist er für sein Verhalten trotzdem, wir ADHS-ler sind ja nicht ferngesteuert. Von daher ist ADHS niemals eine Entschuldigung, wohl aber eine Erklärung.

Und natürlich würde er sich viel lieber anders erleben. Sich das anzugucken tut aber auch sehr weh, da ist den größten Teil des Tages Verdrängen besser, vor allem wenn man weiß dass man aus diesem Film nicht raus kommt.  :baw:

Von daher wäre es echt grausam, noch mit Medis zu warten. Der Übergang in die weiterführende Schule ist dabei der geringste Grund, notfalls wechselt man später oder wiederholt ein Jahr. Aber dass er auf diese Weise sehr unglücklich ist, ist ein dringender Grund.

Selbst wenn er nicht immer unglücklich erscheint, sondern eher aufgezogen-albern. Ich kann mich an meine Kindheit noch gut erinnern und weiß wie ich mich fühlte.

Die Medis ändern ja v. A. die Wahrnehmung. Kein Kind wird brav durch das Medikament, sondern die Voraussetzung "brav" zu sein wird erstmal geschaffen.
<><
Marty123
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Re: ADHS vs Erziehung

Beitrag von Marty123 » 27. September 2015 16:05

Hallo lenilein/falschparker,

vielen Dank für die Aufklärung, also ihr meint, dass man uns auch ohne die Therapie die Medikamente verschreiben würde?
Also diese Frage ist von außen betrachtet einfach zu beantworten. Dein Sohn müsste ausgesprochen bescheuert sein, wenn er sich so benimmt weil er das möchte. Praktisch alles was du beschreibst ist ADHS-typisch, aber sowas von.

Verantwortlich ist er für sein Verhalten trotzdem, wir ADHS-ler sind ja nicht ferngesteuert. Von daher ist ADHS niemals eine Entschuldigung, wohl aber eine Erklärung.

Und natürlich würde er sich viel lieber anders erleben. Sich das anzugucken tut aber auch sehr weh, da ist den größten Teil des Tages Verdrängen besser, vor allem wenn man weiß dass man aus diesem Film nicht raus kommt.  :baw:
ich glaube an dieser Stelle hattest du mich etwas falsch verstanden. Ich denke jedes Kind macht mal Blödsinn. Ich habe noch zwei große Kinder aus meiner ersten Ehe und die haben auch hin und wieder mal totalen Mist gemacht und auch ziemlich rum galbert.Da hat es aber ausgereicht, wenn ich mal ein "Machtwort" gesprochen habe. Ich denke eben auch, dass ein ADHS-ler auch ganz bewusst etwas Blödsinn macht und da weiß ich nicht, wie ich das differenzieren kann oder ob ich es überhaupt muss...
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Re: ADHS vs Erziehung

Beitrag von ripley » 27. September 2015 16:18

[quote="Falschparker"]
Medikamente sind nicht die einzige denkbare Hilfe, aber die einzige Hilfe die schnell wirkt.

Von daher ist ADHS niemals eine Entschuldigung, wohl aber eine Erklärung.

wäre es echt grausam, noch mit Medis zu warten.

Kein Kind wird brav durch das Medikament, sondern die Voraussetzung "brav" zu sein wird erstmal geschaffen. [/quote]


Hi
Ich bin definitiv kein Mitläufertyp, aber ich möchte Falschparkers Posting insgesamt und die obigen Sätze noch mal im Besonderen unterstreichen.

Mein eigener Sohn wurde auch in der 4. Klasse diagnostiziert, ebenfalls ADHS UND HB (spaßige Kombination! Noch viel Freude damit!). Dann auch bald eingestellt. Und dennoch hat es einige JAHRE gedauert, bis er sein Gleichgewicht gefunden hatte und bis er zu einer gewissen Gelassenheit gegenüber Verletzungen gefunden hat, die ihn seit deutlich früherer Kindheit gequält haben. Es hat Jahre (und sehr intensive Zusammenarbeit diverser Instanzen) gebraucht, um ihn aus üblem Mobbing raus zu "befreien" und seine Verhaltensauffälligkeiten wirklich in den Griff zu kriegen. Mit "Zuwarten" und "nee, doch keine Chemie!" wäre er flott in der Psychiatrie gelandet. Oder wäre zumindest schulisch komplett im Aus (Haupt- oder Förderschule) gelandet.
Jetzt wird er bald 18, macht nächstes Jahr Abi (so nix mehr schief geht), ist eine starke, zuweilen eigenwillige Persönlichkeit, keineswegs immer mit mir einer Meinung, aber alles in allem ein Klasse-Kerl.

MPH löst keine Probleme, nein. Aber es eröffnet, wenn es wirkt und gut eingestellt ist, LösungsWEGE. Und es ermöglicht den Betroffenen, nach und nach "das Kind zu werden, das in ihnen steckt". Und, ja, es WIRD auch ohne begleitende/vorangegangene Maßnahmen verschrieben. Wobei begleitende durchaus anempfohlen werden, auch von mir.

Gebt ihm die Chance! Konflikte werdet Ihr dann immer noch genügend durchzustehen haben. Da wette ich drauf.  :ichboss:
Marty123
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Re: ADHS vs Erziehung

Beitrag von Marty123 » 27. September 2015 22:07

[quote="ripley"]
[quote="Falschparker"]
Medikamente sind nicht die einzige denkbare Hilfe, aber die einzige Hilfe die schnell wirkt.

Von daher ist ADHS niemals eine Entschuldigung, wohl aber eine Erklärung.

wäre es echt grausam, noch mit Medis zu warten.

Kein Kind wird brav durch das Medikament, sondern die Voraussetzung "brav" zu sein wird erstmal geschaffen. [/quote]


Hi
Ich bin definitiv kein Mitläufertyp, aber ich möchte Falschparkers Posting insgesamt und die obigen Sätze noch mal im Besonderen unterstreichen.

Mein eigener Sohn wurde auch in der 4. Klasse diagnostiziert, ebenfalls ADHS UND HB (spaßige Kombination! Noch viel Freude damit!). Dann auch bald eingestellt. Und dennoch hat es einige JAHRE gedauert, bis er sein Gleichgewicht gefunden hatte und bis er zu einer gewissen Gelassenheit gegenüber Verletzungen gefunden hat, die ihn seit deutlich früherer Kindheit gequält haben. Es hat Jahre (und sehr intensive Zusammenarbeit diverser Instanzen) gebraucht, um ihn aus üblem Mobbing raus zu "befreien" und seine Verhaltensauffälligkeiten wirklich in den Griff zu kriegen. Mit "Zuwarten" und "nee, doch keine Chemie!" wäre er flott in der Psychiatrie gelandet. Oder wäre zumindest schulisch komplett im Aus (Haupt- oder Förderschule) gelandet.
Jetzt wird er bald 18, macht nächstes Jahr Abi (so nix mehr schief geht), ist eine starke, zuweilen eigenwillige Persönlichkeit, keineswegs immer mit mir einer Meinung, aber alles in allem ein Klasse-Kerl.

MPH löst keine Probleme, nein. Aber es eröffnet, wenn es wirkt und gut eingestellt ist, LösungsWEGE. Und es ermöglicht den Betroffenen, nach und nach "das Kind zu werden, das in ihnen steckt". Und, ja, es WIRD auch ohne begleitende/vorangegangene Maßnahmen verschrieben. Wobei begleitende durchaus anempfohlen werden, auch von mir.

Gebt ihm die Chance! Konflikte werdet Ihr dann immer noch genügend durchzustehen haben. Da wette ich drauf.  :ichboss:



[/quote]

Hallo und auch an dich ein dickes Dankeschön für deine Antwort,

magst du mir vielleicht noch ein bisschen erläutern, wieso du HB und ADHS als sehr nette Komi ansiehst (ich nehme an, dass es sarkastisch gemeint ist). bei uns hieß es, dass die HB bei dem ADHS eher positiv ist, da dadurch mehr kompensiert werden kann.
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Alina Licht
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Re: ADHS vs Erziehung

Beitrag von Alina Licht » 27. September 2015 22:46

Ich glaube damit war gemeint, dass man sich als Schüler dann schnell doof vorkommt, da man "es ja eigentlich besser könnte, wenn man sich nur anstrengen würde". Das ist ja so ein Satz, den viele zu hören bekommen.
Also eigentlich versteht man alles, aber fühlt sich trotzdem dumm, weil man halt manches nicht so kann wie die anderen.

Ich bin auch hb, habe aber keine ADHS. Bzw weiß ich es nicht, ob ich eine habe, oder nichts, oder etwas anderes, ich bin momentan in einer Diagnostik-Test-wasauchimmer-Phase...
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Re: ADHS vs Erziehung

Beitrag von Eule » 27. September 2015 22:47

Hochbegabt sein ist auch anders als andere sein. Und dieses anderssein kann auch belastend sein, wenn man immer wieder merkt dass die Mitchüler/potentiellen Freunde 3 Jahre brauchen um etwas zu kapieren was ein Hochbegabter in 3 Minuten kapiert.

Die Kombi ADHS und HB bedeutet einerseits gewisse "Schusseligkeiten" durch schnelle Auffassungsgabe etc wettmachen zu können, andererseits ist es natürlich aus der Sicht von Außenstehenden völlig absurd dass ein Schüler komplexe Zusammenhänge in Physik  oder Mathe in Nullkommanix versteht, aber andererseits scheinbar zu blöd ist, den Stundenplan zu lesen und am richtigen Tag das Sportzeug, den Erdkunde-Atlas oder sonstwas dabei zu haben, pünktlich zu sein, zur richtigen Stunde vor dem Bio-/Musik-/sonstigen Fachraum zu stehen oder nicht ständig dazwischen zu quasseln. Da kommt dann doch sehr schnell die Unterstellung man könnte ja wenn man sich nur anstrengen würde.
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Re: ADHS vs Erziehung

Beitrag von lenilein » 27. September 2015 23:20

Hallo Marty,

ich glaube diese Kombi aus HB und ADHS ist zum Teil Segen und Fluch zu gleich. Auf der einen Seite hilft eine HB, weil sie das ein oder andere kompensieren kann. Auf der anderen Seite verstärkt eine HB aber auch dieses Anders-sein Gefühl, sowie die "Vorwürfe", die ADHSler sowieso schon viel zu oft zu hören bekommen (dieses typische, wenn du dich mehr anstrengen würdest).

Ich glaube man leidet auch so noch mehr, weil man eben teilweise auf zwei Seiten nicht verstanden wird. Die ein Seite ist diese ADHS-Seite "Wieso kannst jetzt nicht einfach mal zu hören/selber ordentlich mitschreiben/...?"

Und auf der anderen Seite bekommt man (naja bekam ich) häufig zu hören: Sag mal, musst du immer diese dummen Fragen stellen?"l
Diese "dummen Fragen" waren nie wirklich dumm, nur manchmal haben meine Mitschüler einfach nicht verstanden, wieso ich mich an manchen Details so festbeißen konnte.

Das war für mich vor allem in der Pubertät extrem schwierig. Ich glaube die Pubertät ist ja für alle sehr schwierig, aber ich habe oft das Gefühl, dass ich es noch schwerer hatte als alle anderen. Ich habe mich auch irgendwie im 180° gewendet. Ich war lange Zeit ein Mensch, der überhaupt nicht wusste, wo ich mich einzuordnen hatte. Ich war einfach anders und habe nirgendswo rein gepasst. Irgendwann wurde ich dann laut und habe gegen alles und jeden enorm rebelliert. Ich habe absichtlich in Tests versagt und vorgetäuscht zu spicken und solche Sachen. ich hatte so wenigstens eine Identität. Ich war von da an, die "dumme-coole". Meine Eltern sind zu dieser Zeit mehr als verzweifelt gewesen, ich war aber irgendwie glücklich, weil ich mich einordnen konnte, auch wenn es absolut blöd war, weil ich ein totales Theater gespielt habe...

Irgendwann habe ich dann wieder gemerkt, dass es doch nicht so cool ist, wenn man sich blöd stellt und prompt hatte ich wieder mein Problem "schlau" auf der einen Seite, ein "Trottel" auf der anderen Seite. Ich hatte dann aber genug Selbstbewusstsein aufbebaut um sagen zu können, dass ich nicht dumm sei, im Gegenteil ich wusste, dass ich eine Menge weiß. Das führte dann irgendwann dazu, dass ich am liebsten wieder durchgedreht wäre. ich habe dann alles gegeben, ich habe mich angestrengt und alles versucht, um zu zeigen, was in mir steckt, aber es reichte einfach nicht. Ich weiß nicht in wie weit du dir das vorstellen kannst, wenn du weißt, dass du Dinge sehr gut beherrscht und wenn du das einfach anwenden möchtest, aber es einfach nicht geht und du nicht weißt wieso, dann treibt dich das in den Wahnsinn. Stell dir mal vor du willst kurz in einen Supermarkt fahren und kurz vor dem Parkplatz fährst du gegen eine Gummiwand, die dich zurückschleudert.Das passiert dir immer wieder und wieder, solange bis der Laden schließt...

das sind so die Sachen, die mir grade eingefallen sind...

Liebe Grüße Lenilein :winken: 
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ripley
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Re: ADHS vs Erziehung

Beitrag von ripley » 28. September 2015 08:53

Alina Licht, Eule und lenilein haben es schon sehr schön aus Sicht der Betroffenen geschildert.

Aus Elternsicht finde ich die Kombi HB/ADHS aber auch ziemlich ... fordernd.
Der ADHS-Anteil sucht nunmal oftmals Reibung und Streit (die innere Unruhe/Unrast sucht "Kristallisationspunkte" im Außen) und der HB-Anteil ermöglicht es dann, Erwachsene ganz flott argumentativ oder sonstwie "aufn Pott" zu setzen bzw. komplett auszuhebeln. Man hat bei solchen Kids nur eine Chance, wenn man selbst extrem auf Zack ist ... und möglichst selten den Humor verliert.
Deswegen das - ja, ironisch gemeinte! - "spaßig".

Aber, hey, Ihr schafft das! Bleibt Euch ja nix anderes übrig.

Erzieherisch sehr eng dran bleiben am Kind - und, wie gesagt, nicht so viel Angst vor MPH haben! Versuch macht kluch.
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Re: ADHS vs Erziehung

Beitrag von minime » 28. September 2015 10:00

Herzlich Willkommen!

Ich habe 2 Kinder mit der Kombi ADS+HB von demselben Vater  :wu: und ich kann Dir sagen, sie sind trotzdem so verschieden wie man es sich nicht vorstellen kann. Ich gehe mal davon aus, dass wir in der Erziehung der beiden nicht so grundlegend unterschiedlich gehandelt haben, aber die Ergebnisse sind sehr unterschiedlich.

Kind Groß (13) war schon immer extrem verpeilt und schusselig und gleichzeitig ein Schnell-Kapierer. Das Verpeilte und Schusselige ist allerdings für Sohn kein Leidensdruck. Er hat sich schon immer aus (langweiligen) Situationen (etwa Erzählungen über Organisation) weggeträumt (schon im KiGa). Für ihn sind feste Zeiten / Termine, Formalien nicht existent. Leidensdruck kam auf, als er sein Wissen nicht aufs Papier bringen konnte. Daraus ergibt sich viel Potenzial für Dauer-Kleinkrieg. Im Gegensatz zu Ripleys Sohn ist meiner schon ab der 1. Klasse "eine starke Persönlichkeit", die je mehr man kontrollieren (eng erziehen, coachen) will umso drastischer dagegen rebelliert. - Es geht schlicht nicht! Mittlerweile glaube ich, dass er das nicht absichtlich tut, es ist eine Reaktion auf vegetativer Ebene.  :108:  Die Psych hat mehr oder weniger die Verhaltenstherapie beendet, weil er weiter nicht therapierbar ist, er ist in seiner Persönlichkeit extrem gefestigt und hat seine sehr wohl durchdachten Prinzipien/Regeln, von denen er nur schwer abrückt. Ihm hilft die HB ungemein, weil er NIE was lernt, (Schulaufgaben sind für ihn überraschende Momente im Leben eines Schülers) und sehr gut von der Hand im Mund lebt. NOCH hat es ihn nicht geschmissen, im Gegenteil er schwimmt auf einem Notendurchschnitt, der ihm maximalen Komfort beschert - nicht zu schlecht um was ändern zu müssen nicht zu gut um Erwartungen zu wecken. :811: Er ist sehr wortgewandt und charmant und bestreitet mal zwischendurch ganze Schulstunden mit dem Wissen aus dem Fundus und der Schnellkapiererei. Meistens wenn es neue Themen gibt, glänzt er gleich in der 1. Stunde und das bringt ihm eine Menge Punkte. Bis das Thema dann mal durch ist (in 4 Wochen) schläft er.

Kind Klein (10) hat schon einige Dinge verpeilt, es stellt aber für ihn ein Problem dar - er leidet drunter. Die Einhaltung von Formalien, Regeln ist ihm wichtig, auch bei anderen, was dann zu impulsiven Gerechtigkeitsausbrüchen fürht. Er hat darunter gelitten das nicht zu können und mit den Medis ist es wie auf Knopfdruck passiert. Daran habe ich erkannt, dass er eigentlich doch gut erzogen ist ..... :top:
Diese Erlebnisse hat die Lehrerin (von einem Tag auf den anderen musste er nicht mehr während der Stunde Quatschen und Spazieren gehen) gewaltig zum generellen Umdenken gezwungen. Es war nicht so, dass wir was versäumt hätten ihm beizubringen - er konnte nichts davon umsetzen.
Genauso wie bei Ripleys Sohn ist dieser  Sohn auch eher dankbar, wenn einer hinter ihm steht und mitguckt, coacht und Rückmeldung gibt. Er findet Rituale eine echte Hilfestellung und Orientierung im Alltag. Er hängt mir deutlich klettiger am Rockzipfel. Klein-Kind hat mit HB viel kompensiert, ohne MPH gehörte er zu den Besten der Klasse und mit MPH ist er Klassenbester, aber sehr gelangweilt, was wiederum Zusatzdruck auf die Hibbelei / Ablenkbarkeit bringt. HAs haben noch nie mehr als 15 Minuten gedauert, im Schnitt eher unter 10 Minuten - da kann man gar nichts von "Konzentrationsschwierigkeiten" feststellen. Ich denke, dass bei ihm durch die HB "nur" die gestörte Impulssteuerung zum Trage kommt, weil der Rest kompensiert wird. Er ist ebenfalls nicht besonders ehrgeizig, aber sehr pflichtbewußt.

Insgesamt ist die Mischung ADS+HB .... fordernd aber es gibt diverse Blüten die zum Treiben kommen. Keine 2 HBs sind gleich, keine 2 ADSler sind gleich und in der Kombi ebenfalls nicht. Die beiden Ausprägungen machen auch nur einen Bruchteil der Persönlichkeit eines Kindes aus. Ich würde mich hüten Dir prognostizieren zu wollen wie sich das bei Euch ausprägt, aber um eines kommt ihr wohl nicht rum: so lässig wie die Erziehung / das  Zusammenleben mit "unbelasteten"  Kindern wird es bei Euch nicht!

Zu den Medis kann ich mir 100%-ig den Ausführungen von Falschparker anschließen.

LG, minime.
Falschparker
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Re: ADHS vs Erziehung

Beitrag von Falschparker » 28. September 2015 17:28

[quote="Marty123"]vielen Dank für die Aufklärung, also ihr meint, dass man uns auch ohne die Therapie die Medikamente verschreiben würde?
[/quote]

Wir kennen eure Kinderpsychiaterin nicht. Wenn sie vernünftig ist ja.

[quote="Marty123"]Ich denke jedes Kind macht mal Blödsinn. Ich habe noch zwei große Kinder aus meiner ersten Ehe und die haben auch hin und wieder mal totalen Mist gemacht und auch ziemlich rum galbert.Da hat es aber ausgereicht, wenn ich mal ein "Machtwort" gesprochen habe. Ich denke eben auch, dass ein ADHS-ler auch ganz bewusst etwas Blödsinn macht und da weiß ich nicht, wie ich das differenzieren kann oder ob ich es überhaupt muss... [/quote]

Einen richtigen Unterschied zwischen ganz bewusstem Blödsinn und ADHS-Blödsinn gibt es eigentlich nicht. Wie gesagt, ADHS-ler sind nicht ferngesteuert, die ADHS zwingt uns nicht Blödsinn zu machen, wir sind für jeden Mist genau so verantwortlich wie ein Nichtbetroffener.

Aber die Schwelle ist niedriger, es "passiert" uns viel eher. Ein Nicht-ADHS-ler ist in der Lage, nochmal nachzudenken bevor er Mist macht, die Bremse funktioniert besser. Ein Nicht-ADHS-ler kriegt auch viel besser mit, wann es besser ist anders zu handeln und kriegt sich auch besser runtergefahren. Nicht-ADHS-ler können auch viel schneller aus Erfahrungen lernen, bei ADHS-lern dauert das sehr, sehr lange.
Zuletzt geändert von Falschparker am 28. September 2015 17:32, insgesamt 1-mal geändert.
<><
Elchi
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Re: ADHS vs Erziehung

Beitrag von Elchi » 29. September 2015 12:09

Hallo Marty,

das Meiste ist bereits geschrieben, aber eine kleine Ergänzung hätte ich noch in Bezug auf die Medikamente:
Man weiß inzwischen, dass eine Verhaltenstherapie viel besser wirkt, wenn sie von Medis unterstützt wird. Ist ja eigentlich auch logisch. Da ADHSler bekannt dafür sind, DInge, die sie lernen, nicht umsetzen zu können und genau dieses Problem mit Medis besser wird, erklärt sich von selber, warum Medis hier hilfreich sind.

Sinnvoll fände ich also einen sofortigen Beginn de Medikation, damit die Einstellung fertig ist, bis die Therapie anfängt. (Mal abgesehen vom schon vorhandenen Leidensdruck, der eine sofortige Medikation durchaus rechtfertigt).

LG
Elchi
Marty123
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Re: ADHS vs Erziehung

Beitrag von Marty123 » 29. September 2015 21:07

Hallo,

noch mal vielen, vielen Dank für all eure Antworten!

Mein Sohn hat es heute mal wieder geschafft sich für ein Basketballspiel am Sonntag zu disqualifizieren und bekam auch gleich noch einen auf den Deckel von seinen Teamkameraden, da sie ihn als guten Spieler sehr schätzen und nun ohne ihn auskommen müssen. Das macht es für meinen Sohn doppelt so schwer.

Wissen bei euch Trainer und Lehrer usw. vom ADHS eurer Kindern? Ich habe ehrlich gesagt total viel Angst vor so manchen Reaktionen. Es gibt einfach genug Leute, die dir irgendwas vom Pferd erzählen bei dem Thema oder dir einfach Vorwürfe machen.

Aber es gibt auch gute Nachrichten: Wir haben MORGEN! einen Termin bei der Psychiaterin um über die Medikamente zu sprechen. Wir wurden als akut Patienten eingetragen. Das finde ich grade echt super!  :froi1: :froi1: :froi1:
Elchi
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Re: ADHS vs Erziehung

Beitrag von Elchi » 29. September 2015 21:19

Viel Erfolg für Euren Termin morgen  :top:

Erzählen würde ich grundsätzlich erst mal niemandem von den Medis. Mein Sohn hatte "für die Schule" eine "Stoffwechselstörung, die sich auf die Konzantration auswirkt". Das lies den Rektor staunen, was man alles so feststellen kann, aber da es in der Schule lief, hat niemand weiter nachgefragt.
Allerdings war mein Sohn schon in der Oberstufe, als das Thema Medis aufkam (er hat die Diagnose erst viel zu spät, mit fast 18 bekommen).

Auch, wenn es vielleicht der ein oder andere Lehrer wissen muss, weil z.B. in der Schulzeit nachgenommen werden muss, würde ich den Kreis der "Wissenden" so klein wie möglich halten. Wenn die Medikation für die Schulzeit reicht, würde ich persönlich auch in der Schule nichts sagen, aber das sehen Andere vielleicht anders.

LG
Elchi
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Re: ADHS vs Erziehung

Beitrag von Marty123 » 29. September 2015 21:45

Hallo Elchi,

Danke!

Ich frage mich eben, ob es ihm nicht auch beim Sport helfen würde, wenn der Trainer vom ADHS wüsste oder eben nicht. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er sich dann nicht immer provoziert fühlt, wenn man Sohn sagt: ja ich laufe liebend gerne 5 Strafrunden. Das ist für meinen Sohn, der eben sehr impulsiv und hyperaktiv ist natürlich eine schönere Alternative, als in der Reihe zu stehen und zuhören zu müssen/oder zu warten...  :0009:

Auf der anderen Scheibe fürchte ich, dass er in eine Schublade gesteckt wird oder, dass man versucht uns/ihm das ADHS auszureden a lá ADHS gibt es doch gar nicht.
Eule
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Re: ADHS vs Erziehung

Beitrag von Eule » 29. September 2015 21:49

Gerade wenn du in der Schule nichts sagen willst (was ich auch sinnvoll finde, es sei denn du hättest das seltene Glück einen informierten dem Thema gegenüber aufgeschlossenen Lehrer zu haben, der mit dem Thema konstruktiv umgeht) solltest du unbedingt mit der Ärztin so abstimmen dass die Medis am Wochenende durch genommen werden, so dass du die Wirkung siehst. Möglichst auch am Wochenende Ersteinnahme oder Dosisänderungen machen, damit du sowohl über Wirkungen als auch über Nebenwirkungen im Bilde bist.
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Re: ADHS vs Erziehung

Beitrag von Elchi » 29. September 2015 21:53

Genau das ist das Problem - die Schublade...
Ich würde erst mal nichts sagen, ABER, ich würde dem Kleinen die Medis dann auch für den Sport geben. Möglicherweise wird sich mancher wundern, warum er auf einmal nicht mehr so provoziert, aber da würde ich dann nur mal nett lächeln.

Meiner Meinung nach ist eine Medikation in den allermeisten Fällen für den ganzen Tag sinnvoll, weil die Kinder eben nicht nur in der Schule mit ihrem Verhalten Probleme haben, sondern ja auch noch ein Leben außerhalb haben. Da ist ein sozialverträgliches Verhalten eben auch sehr wichtig.
Dem Trainer hilft ja nicht, wenn er weiß, warum er so ist. Er muss trotzdem die Strafrunden aussprechen, wenn es nötig ist, denn er kann Euren Sohn ja nicht anders behandeln, als die anderen Kinder. Ob Ihr ihm die Hintergründe dann mal erklärt, hängt natürlich von Verhältnis ab. Die Gefahr, dass die ganze Mannschaft hinterher Bescheid weiß, ist leider immer gegeben.

LG
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Re: ADHS vs Erziehung

Beitrag von Marty123 » 29. September 2015 22:05

Wie wir das mit den Medikamenten machen, wird sich denke ich morgen zeigen, aber ich halte auch nicht viel davon ihm die Dinger nur während der Schule zu geben. Immerhin hat er 24h am Tag ADHS und nicht nur 6 Stunden, während der Schule.

Die Strafrunden treffen leider zu 98% nur meinen Sohn. Die restlichen Kasper sagen eben nicht ja, wenn der Trainer seine Verwarnung ausspricht: "wollt ihr jetzt 5 Extrarunden laufen?"

Ich wünsche mir einfach nur so sehr, dass es ganz schnell besser wird. Mein Sohn war heute Abend so niedergeschlagen. Die Saison hat grade erst begonnen und er hat sich so gefreut und er hat sich selber ganz fest vorgenommen keinen Ärger zu bekommen. Vielleicht spreche ich am Freitag noch mal mit dem Trainer über seine Sperrung für das Spiel..
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