3 jähriger

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zoraya
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Re: 3 jähriger

Beitrag von zoraya » 3. Juli 2018 11:38

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Hi
der Psychologe hat mir jetzt noch das Triple P empfohlen. Man kann den Kurs auf Youtube schauen. Ich hab jetzt das erste Kapitel geschaut und folgende Aufgabe vor mir:
Buch führen über ein oder zwei unerwünschte Verhalten in einer Tabelle: Wann trat das Problem auf
Was passierte kurz davor, was hat das Problem ausgelöst.
Was ist danach passiert?

Man kann auch das unerwünschte Verhalten einfach zählen und dann eine visuelle Kurve kreiren.

Ich hab ja jetzt schon einiges vor. Auch beim Psychologen war es so, dass er mir nicht mehr viel neue Inputs geben konnte, weil ich ja schon mir jetzt viel Wissen angesammelt und Pläne gemacht habe.
Er konnte mir übrigens bestätigen, dass bei einer impulsiven Handlung bei ADHS'lern es viel schwieriger ist den Präfrontalen Cortex zu benutzen und die impulsive Handlung nicht auszuführen. Ich versteh es zwar noch nicht 100% weil normale Meschen sind ja auch manchmal impulsiv.

ich werd natürlich weiter berichten, wie es bei uns hoffentlich Fortschritte gibt. Was er mir auch noch als Tipp geben konnte, war "vorinformieren", was ich ja eigentlich auch schon kannte.
Also man informiert das Kind vor, dass wir in 15 min das Haus verlassen. Man kann dann aber noch sagen: " Wenn wir das Haus verlassen, dann müssen wir uns vorher anziehen. " Das hatte ich bisher noch nicht, ich hatte immer nur den ersten Teil gesagt. Für mich war ja klar, dass wir uns anziehen müssen. :roll:

Danke für eure Inputs. Vielleicht hilft es ja auch noch jemand anderem, wenn ich unsere Fortschritte hier aufschreibe und was mir geholfen hat.
LG Zoraya
zoraya
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Re: 3 jähriger

Beitrag von zoraya » 5. Juli 2018 09:36

Hi, es hat niemand mehr was geschrieben. Wollte trotzdem mitteilen, dass das Programm ADHS Elterntrainer doch nicht das Gelbe vom Ei ist. Mir wurde ja dort nahegelegt Strafen anzuwenden, was ich auch tat. Jedoch stellte ich mehr Wutanfälle fest. Ich fragte bei meinem Psychologen nach und er bestätigte mir: ich solle genau wie beim Hundetraining erwünschtes Verhalten bestärken und Strafen vermeiden.
Ich mache die Ausbildung als Hundetrainerin und wir wenden mit den Hunden fast keine Strafen an und das mit Erfolg!
Die Regeln für eine erfolgreiche Bestrafung sind schwierig im alltag umzusetzen.
Wenns jemanden interessiert, kann ich auch mehr dazu schreiben.
Lg Zoraya
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Re: 3 jähriger

Beitrag von laetitia » 6. Juli 2018 02:03

Liebe zoraya

Wenn ich deine Beiträge lese, tönt es ein wenig danach, als würdest du eine Gebrauchsanweisung für deinen Sohn suchen, mit der du seine Wutanfälle reduzieren kannst. Aber Kinder sind Wesen mit Charakter, Gefühlen, Willen etc. ob mit oder ohne ADHS. Sie unterscheiden sich von Tieren wie Hunden darin, dass sie zu sehr viel komplexeren Wesen heranwachsen, die geleitet durch planen, denken, fühlen ihre Zukunft gestalten und Entscheidungen treffen. Um diese Entwicklung positiv zu beeinflussen, ist es wichtig, die Bedürfnisse des Kindes zu erkennen und darauf zu reagieren. Dazu brauchst du vor allem Einfühlungsvermögen und Intuition. Vielleicht ist die Frage auch, ob du selber dich und deine Bedürfnisse wahr nimmst?

Und...ein Wutanfall ist nicht grundsätzlich schlecht. Die Frage ist, wie das Kind lernt, seine Wut zu regulieren. Kleine Kinder regulieren ihre Gefühle mehrheitlich external. Das heisst, die Bezugspersonen helfen ihm einerseits Gefühle zu benennen. Hat es einen Wutanfall kann die Bezugsperson sagen: Du bist wütend. Dies hilft dem Kind die Wut als Wut zu verstehen. Andererseits helfen Bezugspersonen dem Kind, die Wut als solche zu würdigen. Die Bezugsperson kann zum Beispiel sagen: Du bist wütend, weil ich dir keinen Schokoriegel gekauft habe. Stimmts? Ich verstehe, dass du wütend bist. Ich habe dich dennoch lieb. Aber...sowas muss man auch so meinen. Kinder merken schnell, ob man authentisch ist oder nicht und ADHS-ler merken das noch schneller. Vielleicht ist auch eine Frage, ob du deine eigene Wut kennst und zulässt.

Willst du die Wut einfach weg haben, wird dein Kind lernen, dass es falsch ist, wütend zu sein. Das kann sich sehr kontraproduktiv auswirken.

Wie schon vorher erwähnt kann ich dir keine Ratschläge oder so aus Muttersicht geben, da ich keine Kinder habe. Das möchte ich einfach nochmals betonen, um Missverständnisse zu vermeiden.
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Re: 3 jähriger

Beitrag von zoraya » 6. Juli 2018 07:30

Hi, nein.
Es gibt aber Werkzeuge, die auf wissenschaftlichen Therien und Grundlagen beruhen, genauso wie das "Spiegeln" und "Gefühle benennen", dass du vorschlägst. Die Wutanfälle können nicht mehr in dem Masse stattfinden, da es mir und meinem Freund und den Nachbarn zu laut ist.
Ausserdem zerstört er Sachen.
Wenn er nicht beachtet wird, dann fängt er an Dinge rumzuwerfen. Auch Steine obwohl er seit Baby weiss, dass wir die nur in den Fluss werfen.

Im forum hier sind Leute mit 7 jährigen oder 9 jährigen oder Jugendlichen Kindern verzweifelt. Ich möchte gerne jetzt etwas machen, damit ich dann weiss wies geht in dem alter.
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Re: 3 jähriger

Beitrag von laetitia » 6. Juli 2018 11:30

Ja natürlich gibt es diese wissenschaftlichen Studien und Theorien. Dennoch sind das nicht einfach Werkzeuge, die man nach dem Schema "Wenn A, dann B", anwenden kann. Das Kind ist keine Maschine und kein Hund.

Dass die Wutanfälle mühsam sind ist verständlich. Genau darum ist es ja wichtig, dass es eben nicht einfach darum geht, diese wegzumachen sozusagen, sondern ihr angemessen zu begegnen. Wut, die nicht sein darf, wächst und drückt sich entweder darin aus, dass sie umso heftiger kommt oder dann dass sie sich gegen sich selbst richtet in Form von Depression, Angst oder sonstigen Störungen.
zoraya hat geschrieben:Wenn er nicht beachtet wird, dann fängt er an Dinge rumzuwerfen. Auch Steine obwohl er seit Baby weiss, dass wir die nur in den Fluss werfen.
Also ob er seit Baby weiss, dass ihr Steine nur in den Fluss werft, bezweifle ich. Dass er die Steine aus Trotz und Wut rumwirft, ist aber nachvollziehbar, selbst wenn er weiss, dass ihr diese nur in den Fluss werft. Dieses Ringen um Beachtung könnte vielleicht ein Thema sein in der Sache. Aus irgendeinem Grund greift er zu solch drastischen Mitteln, um Aufmerksamkeit zu erhalten.

Dass du präventiv etwas tun willst ist bemerkenswert. Die Frage aber ist, ob da der Fokus stimmt. Geht es dir 1. darum, dein Kind besser zu verstehen, ihm zu helfen ein fröhliches und gesundes Kind zu sein und eure Beziehung zu stärken oder geht es 2. darum, dass er möglichst pflegeleicht ist und bleibt und dir keine Sorgen macht? Wenn das 2., wird es wohl schwieriger werden, insbesondere wenn er in die Pubertät kommt.
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Re: 3 jähriger

Beitrag von Falschparker » 6. Juli 2018 16:57

Was soll denn diese Frage?? Wutanfälle eines kleinen ADHS-Kindes können sehr anstrengend sein, und zwar natürlich auch für die Eltern, aber eben auch für das Kind, von daher finde ich diese Unterscheidung künstlich.
Im forum hier sind Leute mit 7 jährigen oder 9 jährigen oder Jugendlichen Kindern verzweifelt. Ich möchte gerne jetzt etwas machen, damit ich dann weiss wies geht in dem alter.
Ich finde es sehr klug sich diese Gedanken zu machen.

Cordula Neuhaus hat ein Buch über Babys und Kleinkinder mit ADHS geschrieben. Die paradoxerweise noch nicht diese Diagnose haben werden, aber wenn man als Eltern sieht, dass es in diese Richtung gehen kann, ist es ganz aufschlussreich darüber zu lesen. Allerdings seid ihr ja schon außerhalb des in diesem Buch thematisierten Zeitraumes, nämlich den ersten drei Lebensjahren.

Auseinandersetzen solltet ihr euch auch mit der Möglichkeit der Medikamentengabe. Nein, die wird ein Dreijähriger noch nicht kriegen, aber besser jetzt darüber anfangen nachzudenken als plötzlich von dieser Frage überrascht zu werden.

Unseren Kindern, die beide als Kleinkind sehr hyperaktiv bzw. impulsiv waren, hat es sehr gut getan, mit Medikamenten nicht bis zum 6. Geburtstag zu warten!
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Re: 3 jähriger

Beitrag von Falschparker » 6. Juli 2018 17:07

Ach so, was die Nachbarn betrifft müsst ihr euch wohl ein dickeres Fell anschaffen, sorry.

Ein Beispiel, wir hatten regelmäßig Ärger bei Familienurlauben in Pensionen und selbst Ferienwohnungen. Irgendwann haben wir entdeckt, dass unser großer Sohn gut mit Jugendherbergen zurechtkommt. Da sind fast immer Schulklassen, die so "lebendig" sind, da fiel unser Sohn gar nicht auf. :lol:
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Re: 3 jähriger

Beitrag von Falschparker » 6. Juli 2018 17:20

Früher konnte man in diesem Forum länger Beiträge bearbeiten? :oops:
Dass er die Steine aus Trotz und Wut rumwirft, ist aber nachvollziehbar, selbst wenn er weiss, dass ihr diese nur in den Fluss werft. Dieses Ringen um Beachtung könnte vielleicht ein Thema sein in der Sache. Aus irgendeinem Grund greift er zu solch drastischen Mitteln, um Aufmerksamkeit zu erhalten.
Laetitia, ich muss dir widersprechen, das ist mir unangenehm, weil ich deine Beiträge sonst fast immer sehr mag.

Es hat keinen Sinn, wütendes und impulsives Verhalten bei ADHS deuten zu wollen. Die Betroffenen wissen nicht warum sie etwas tun, und es ist ja auch nicht das was sie, bewusst oder auch unbewusst, wollen. Sie haben sich ja gerade nicht unter Kontrolle.

Das Kind will nicht seine Eltern ärgern, es will nicht Gegenstände zerstören, es ist auch keine Strategie, um Aufmerksamkeit oder sonst etwas zu erhalten.
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Re: 3 jähriger

Beitrag von zoraya » 11. Juli 2018 09:20

Danke nochmals für eure Antworten.
Ich denke auch nicht, dass er es tut um uns zu ärgern.
Ich habe lange über eine Medikation für mich nachgedacht, weil ich ein Riesen Chaos im Leben habe und das Strukturierte Vorgehen in Bezug auf die Erziehung extrem anstrengt. Ich habe ja selber ADS.
Im Gartenkurs für Schulkinder, den ich gebe ist bei der Supervision herausgekommen, dass die Kinder unmotiviert sind, weil ich sie nicht strukturiert anleite. Deshalb denke ich, dass das Problem des Verhaltens meines Sohnes auch viel an meinem Verhalten liegen könnte.
Lg Zoraya
Zuletzt geändert von zoraya am 11. Juli 2018 09:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: 3 jähriger

Beitrag von zoraya » 11. Juli 2018 09:23

Falschparker hat geschrieben:Ach so, was die Nachbarn betrifft müsst ihr euch wohl ein dickeres Fell anschaffen, sorry.

Ein Beispiel, wir hatten regelmäßig Ärger bei Familienurlauben in Pensionen und selbst Ferienwohnungen. Irgendwann haben wir entdeckt, dass unser großer Sohn gut mit Jugendherbergen zurechtkommt. Da sind fast immer Schulklassen, die so "lebendig" sind, da fiel unser Sohn gar nicht auf. :lol:
Ich hatte hald Angst, dass Sie die Polizei rufen und dann das Jugendamt kommt. Und die meinen dann, dass ich einfach alles falsch mache und dann muss ich da auch noch in ein Programm. Das wär echt grad zuviel.
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Re: 3 jähriger

Beitrag von zoraya » 11. Juli 2018 09:28

laetitia hat geschrieben:Liebe zoraya


Und...ein Wutanfall ist nicht grundsätzlich schlecht. Die Frage ist, wie das Kind lernt, seine Wut zu regulieren. Kleine Kinder regulieren ihre Gefühle mehrheitlich external. Das heisst, die Bezugspersonen helfen ihm einerseits Gefühle zu benennen. Hat es einen Wutanfall kann die Bezugsperson sagen: Du bist wütend. Dies hilft dem Kind die Wut als Wut zu verstehen. Andererseits helfen Bezugspersonen dem Kind, die Wut als solche zu würdigen. Die Bezugsperson kann zum Beispiel sagen: Du bist wütend, weil ich dir keinen Schokoriegel gekauft habe. Stimmts? Ich verstehe, dass du wütend bist. Ich habe dich dennoch lieb. Aber...sowas muss man auch so meinen. Kinder merken schnell, ob man authentisch ist oder nicht und ADHS-ler merken das noch schneller. Vielleicht ist auch eine Frage, ob du deine eigene Wut kennst und zulässt.
Ich wollte da noch dazu sagen, dass ich das natürlich alles schon mache mit Gefühle benennen usw. und ich kenne auch das spiegeln der Gefühle.
Aber das nützt trotzdem nichts.
Solche Dinge kann man ganz allgemein nachlesen ohne Bezug zu ADHS. Bei ADHS ist es dann einfach noch schwieriger und die normalen Methoden greifen nicht.
Du hast ja geschrieben, dass du keine Kinder hast, von daher denke ich, dass du das nicht kennst.
laetitia hat geschrieben: Aber Kinder sind Wesen mit Charakter, Gefühlen, Willen etc. ob mit oder ohne ADHS. Sie unterscheiden sich von Tieren wie Hunden darin, dass sie zu sehr viel komplexeren Wesen heranwachsen,
Zu operanter Konditionierung möchte ich noch sagen, dass es bei allen Lebewesen ab dem Zweizeller wirkt.
Klassische Konditionierung ist bei allen Lebewesen ab dem Einzeller im Spiel.
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Re: 3 jähriger

Beitrag von Stefan SRO » 11. Juli 2018 09:51

Den vielen Tipps bzgl. Erziehung habe ich nicht viel hinzu zu fügen.

Was mir aber in jedem Fall wichtig erscheint, ist die Diagnose und ggf. Behandlung an der Erziehung beteiligter Erwachsener oder ältere Kinder.

Ich als selbst betroffener war die letzten Jahre keine Hilfe für meinen Sohn. Wir sind meist zur gleichen Zeit in die Luft gegangen.
Haben beide über reagiert oder sind entnervt davon gerannt.

Erst seit ich die Diagnose vor wenigen Wochen und beginnenden Behandlung für mich selbst, kann ich auch dem Zwerg helfen. Er kann noch nicht selbst reflektieren wie ein Erwachsener und so ist er auf unsere Nachsicht aber konsequente Führung angewiesen.

Sobald er positive Bestätigung bekommt läuft alles bestens und wenn´s mal schief geht "rollt er sich zusammen" aber ein ruhiger Ton mit nicht zu vielen Worten holt ihn schnell zurück. Manchmal sitzen wir es schweigend aus und er "rollt sich wieder aus" und es kann weiter gehen.
(Mit "einrollen" meine ich das emotionale Einigeln, wobei er auch oft die Haltung ein nimmt)

VG
Stefan
"Mein Hirn kann nicht still sitzen..."
-
Was heute noch logisch und klar erscheint, ist morgen schon undurchsichtig rätselhaft.
-
-Mal Einstein und mal taube Nuß.-
-Was man nicht all´s ertragen muß.-
zoraya
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Re: 3 jähriger

Beitrag von zoraya » 11. Juli 2018 10:01

Hi Stefan
Toll, dass du postitiv bestärken bzw bestätigen kannst.
Was hast du in der Behandlung bis jetzt alles so gemacht? Ich hatte auch ein Coaching angefangen, aber bisher ging es vor allem um die Erziehung und weniger um mich.
Lg Zoraya
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Re: 3 jähriger

Beitrag von zoraya » 11. Juli 2018 10:13

Falschparker hat geschrieben:Früher konnte man in diesem Forum länger Beiträge bearbeiten? :oops:
Dass er die Steine aus Trotz und Wut rumwirft, ist aber nachvollziehbar, selbst wenn er weiss, dass ihr diese nur in den Fluss werft. Dieses Ringen um Beachtung könnte vielleicht ein Thema sein in der Sache. Aus irgendeinem Grund greift er zu solch drastischen Mitteln, um Aufmerksamkeit zu erhalten.
Laetitia, ich muss dir widersprechen, das ist mir unangenehm, weil ich deine Beiträge sonst fast immer sehr mag.

Es hat keinen Sinn, wütendes und impulsives Verhalten bei ADHS deuten zu wollen. Die Betroffenen wissen nicht warum sie etwas tun, und es ist ja auch nicht das was sie, bewusst oder auch unbewusst, wollen. Sie haben sich ja gerade nicht unter Kontrolle.

Das Kind will nicht seine Eltern ärgern, es will nicht Gegenstände zerstören, es ist auch keine Strategie, um Aufmerksamkeit oder sonst etwas zu erhalten.
Falschparker ich finde es schön, dass du dir hier Gedanken machst und mitschreibst.
Du meinstest, dass er eben Sachen wirft beim Wutanfall oder?
Das ist natürlich Impulsiv.
Aber wenn er ansonsten Sachen wirft, auch Steine, dann hat das Verhalten eine Funktion. Die Funktion ist meistens Aufmerksamkeit zu bekommen.
Ich meinte, dass das dann nicht Impulsiv ist, sondern schon willentlich gesteuert.
Also nicht, dass er sich das überlegt. Aber durch ausprobieren wurde das Verhalten verstärkt (hier übrigens operante Konditionierung)
, indem er dann Aufmerksamkeit bekommen hatte.
Inzwischen bin ich soweit, dass ich plane ein Alternativverhalten aufzubauen und differentiell zu verstärken.
Ich hatte jetzt übrigens auch mit dem TAG Teaching begonnen.

Ich dachte schon, ich schreib ein Buch, wenns gut klappt. :-)
Weil man findet nicht zu Hauf Infos über diese Dinge finde ich.
Ich bastle jetzt auch ein kleines Döschen, wo ich dann Murmeln reinlege. Wenn er was tolles macht (also eigentlich alles was nicht unerwünschtes Verhalten ist) dann können wir eine Murmel reinlegen. Wenns dann so drei Murmeln hat kann er sich eine Belohnung aussuchen.
Mal gucken, ob wir das mit dem TAG Teaching weiterführen. Die Idee wäre dann, nur ab und zu eine Murmel, aber oft den TAG.

Ist vielleicht jemand hier, der sich auch schonmal mit der Lerntheorie befasst hat?
Um funktional zu bestärken würde ich gerne die Belohnungen Funktionskreisen zuordnen. Aber ich weiss noch nicht, welche Überbegriffe sich da anbieten. Z.b. Aufmerksamkeit wäre wahrscheinlich im Funktionskreis "Sozialer Zusammenhalt" oder so?

Lg Zoraya
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Re: 3 jähriger

Beitrag von Stefan SRO » 11. Juli 2018 12:20

Hallo,

ich stehe noch am Anfang.
Der wichtigste Schritt ist, sich als Elternteil in die Lage zu versetzen, dem Kind eine Hilfe zu sein. Also Diagnose und Behandlung.

"Gemacht" eher wenig.
Wichtig ist was wir nun nicht mehr machen. Nämlich auf die Ausbrüche direkt zu reagieren. Erstens verschärft das oft den Zustand und zweites bekäme er Aufmerksamkeit.

Was wir schon lange machen, jeden positiven Ansatz von ihm unterstützen.
Spontanes lesen, rechnen, aufräumen, basteln usw. ... hier haben wir als selbst betroffene Eltern jedoch Defizite, da für uns der Arbeitstag allein (bei meiner Frau sogar schon verkürzt) schon so erschöpfend ist, dass die Energie für den Junior oft nicht zur Verfügung steht.

Diesen Verlauf hier werde ich weiter Verfolgen, da ich Deine Erkenntnisse interessant finde.

VG
Stefan
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Re: 3 jähriger

Beitrag von zoraya » 11. Juli 2018 13:59

Die Frage mit den Funktionskreisen hat sich erübrigt. Ein angehender Psychologe sagte mir, es sind für alle Säugetiere die gleichen Funktionskreise.

Stefan, du meinst bei spontanen Aktivitäten mitmachen? Das ist echt cool.
Bei den ADHS Kindern, die ich kenne gehts nicht lang, dann kommt wieder ne neue Aktivität. :-

Achja ich hab an meiner Murmeldose gearbeitet. Schön farbig. Und es steht drauf: let's have fun. Weil das Leben und die Zeit mit Kindern soll Spass machen. Das ist meine Ansicht.
Fehlen nur noch die Murmeln und Symbolbilder für schöne Aktivitäten.
Lg Zoraya
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Re: 3 jähriger

Beitrag von Stefan SRO » 11. Juli 2018 14:18

"...spontanen Aktivitäten mitmachen?..."

-funktioniert bedingt aber gut. Vor allem wenn sich die Anstrengung für uns "Alten" in Grenzen hält.
Wie beschrieben sind meine Frau und ich oft erschöpft aber sonst gern.

Spontan mit dem Rad los, in den Wald oder so geht nicht immer .. aber lesen und rechnen wenn es ihm in den Kopf kommt, geht doch.
Zur Ernte sind wir jeden Tag an einem anderen Feld (wohnen im SHK sehr ländlich) und sitzen auf dem Dach des Autos um besser zu sehen. Natürlich sind wir auch schon x-mal mit den tollsten Maschinen mit gefahren ;)

VG
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Re: 3 jähriger

Beitrag von laetitia » 15. Juli 2018 02:57

Falschparker hat geschrieben:Früher konnte man in diesem Forum länger Beiträge bearbeiten? :oops:
Dass er die Steine aus Trotz und Wut rumwirft, ist aber nachvollziehbar, selbst wenn er weiss, dass ihr diese nur in den Fluss werft. Dieses Ringen um Beachtung könnte vielleicht ein Thema sein in der Sache. Aus irgendeinem Grund greift er zu solch drastischen Mitteln, um Aufmerksamkeit zu erhalten.
Laetitia, ich muss dir widersprechen, das ist mir unangenehm, weil ich deine Beiträge sonst fast immer sehr mag.

Es hat keinen Sinn, wütendes und impulsives Verhalten bei ADHS deuten zu wollen. Die Betroffenen wissen nicht warum sie etwas tun, und es ist ja auch nicht das was sie, bewusst oder auch unbewusst, wollen. Sie haben sich ja gerade nicht unter Kontrolle.

Das Kind will nicht seine Eltern ärgern, es will nicht Gegenstände zerstören, es ist auch keine Strategie, um Aufmerksamkeit oder sonst etwas zu erhalten.
Ich habe ja nicht gesagt, dass er das bewusst macht. Und natürlich soll das alles aus dem Blickwinkel des ADHS betrachtet werden. Er kann es nicht anders. Dennoch zeigt sein Verhalten auf, dass es etwas gibt, das schwierig ist für ihn. Das meinte ich eigentlich in diesem Sinne und nicht als irgendeine Fehlerzuschreibung oder so.
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Re: 3 jähriger

Beitrag von laetitia » 15. Juli 2018 03:08

zoraya hat geschrieben: Zu operanter Konditionierung möchte ich noch sagen, dass es bei allen Lebewesen ab dem Zweizeller wirkt.
Klassische Konditionierung ist bei allen Lebewesen ab dem Einzeller im Spiel.
Ich werde zu der Sache nichts mehr sagen ausser, dass es mir einfach mühe macht, begriffe wie klassisches oder operantes Konditionieren als Erziehungsmodell zu lesen. Das tönt für mich nach einem sehr mechanistischen Menschenbild. Lieblos. Wenn du dir Videos dazu anschaust und dich ein wenig mit dem Behaviorismus auseinandersetzt, verstehst du vielleicht, was ich meine. Menschen sind keine Einzeller...und keine Zweizeller...und auch keine Hunde. Die Versuche, welche diese Theorien stützen, sind vorwiegend Tierversuche.

Auf jeden Fall wünsche ich euch viel Geduld, Kraft und Liebe, dass ihr einen guten Weg findet mit eurem Sohn. Und weiterhin guten Austausch mit den Eltern hier, die auch aus ihren Erfahrungen schöpfen können und sich hoffentlich etwas mehr beteiligen an der Diskussion.

Liebe Grüsse
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Re: 3 jähriger

Beitrag von zoraya » 16. Juli 2018 13:22

Ich dachte schon, dass es hier Missverständisse gibt.
Operante Konditionierung wirkt immer, auch wenn sie nicht bewusst angewendet wird. Genauso wie Klassische Konditionierung.
Z.b. Dein Freund oder sonst jemand sagt dir "Danke" für dein Kochen. Wenn das danke was angenehmes für dich ist, so erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass du wieder für diese Person kochen wirst.

Auch ist es so, dass ich ja nichts neues erfunden habe. Jede Erziehung basiert auf Operanter Konditionierung mit "negativen Kosequenzen" und "positiven Konsequenzen".
Die Sache ist die, dass ich gemerkt hatte, das wir mit den Strafen, also "negative Konsequenzen" bei uns keine Besserung erzielen, im Gegenteil.
Somit habe ich mich entschlossen den Schwerpunkt meiner Erziehung auf die "positiven Kosequenzen" zu setzen. Um diese also häufig folgen lassen zu können, braucht es ein bisschen mehr, wie nur loben. Einige mehr Ideen fehlten mir.
Was ich kritisierte in diesen Erziehungsprogrammen, die ich mir angeschaut habe, war eben diese Fokussierung und Anleitung der Eltern zu Strafen. Was ja sinnvoll sein kann, um zu zeigen, dass Strafe nicht Gewalt sein muss.
Es gab aber 5 Seiten mit Strafen und einen kurzen Abschnitt zur "positiven Konsequenz", worin nur das Loben gezeigt wurde.

Ausserdem ist es bei mir persönlich so, dass ich auf Strafen sehr schlecht reagiere. Häufig mache ich die Dinge nicht mit Absicht falsch. Wenn ich gestraft werde, so nagt das erstens an meinem Selbstwertgefühl und zweitens macht es die Beziehung zu derjenigen Person kapput, da ich auch sehr sensibel bin und emotional reagiere.

Ich denke, das ist genau der Punkt bei ADHS!!!!
Es wird ja oft gesagt, die normalen Erziehungsmethoden greifen nicht. Das ist nehme ich mal an, genau deshalb weil viele Dinge nicht absichtlich geschehen, somit nützen auch Strafen nichts in diesem Moment. Dadurch geht dann nur ein Teufelskreis los.


lg zoraya
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Re: 3 jähriger

Beitrag von zoraya » 16. Juli 2018 18:12

Im Moment kann ich berichten, dass die unerwünschten Verhalten weniger auftreten. Da ich kein Protokoll geführt habe, kanns auch sein, dass es nur mein subjektiver Eindruck ist.
Jedenfalls zwinge ich meinen Sohn zu nichts, und daraufhin macht er eher mit.
Z.B. wollte er sich heute nicht ausziehen beim Arzt und ich hab ihn nicht gezwungen. Daraufhin wurde schon meine Erziehungskompetenz von derÄrztin in Frage gestellt.
Find ich aber nicht sinnvoll einen Jungen, der kürzlich sein Schamgefühl entdeckt hat zum ausziehen zu zwingen.
Wir wurden damit belohnt, dass er danach mitgemacht hat bei den Tests zu seinem Stand der Entwicklung.

Mein Psychologe meinte, es sei häufig, dass die Erziehungskompotenzen der Eltern von Kindern mit ADHS in Frage gestellt werden, zB. wenn sich ein Kind bei einer Geburtstagsparty total daneben benimmt und sowas.
Ich falle vor allem durch seine starken Wutanfälle auf. Es ist mir auch schon eine Frau nachgelaufen, da hat er so stark geschrien, da war er vlt. 1 oder eineinhalb jahre alt. Die Frau meinte wohl, ich misshandle ihn oder so...

:?

Wie ist das bei euch so? Fallt ihr auch oft auf?
Werden eure Erziehungskompetenzen auch schnell in Frage gestellt?
Lg Zoraya
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